Zukunftsschmiede Feuerwehr

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Beim „Empfang der Feuerwehr“ stand die Verabschiedung von Kameraden in die Alters- und Ehrenabteilung an. Für die Schaafheimer Wehr wurden Reinhard Hübner (links) und Walter Hofmann vom Landrat verabschiedet.

Babenhausen/Darmstadt-Dieburg - (mj) „Wenn wir früher ein Fahrzeug angeschafft haben war die wichtigste Frage, wer es bezahlt. In Zukunft geht es darum, wer drauf sitzt“, sagte Kreisbrandinspektor Ralph Stühling im Landratsamt in Kranichstein.

Dort waren beim „Empfang der Feuerwehren“ Verwaltungsvertreter und die Führungskräfte der einzelnen Kreisfeuerwehren zum dritten Mal zusammen gekommen, um sich auszutauschen. Die Einladung ging von Kreisverwaltung und Kreisfeuerwehrverband aus. Babenhausen wurde von Bürgermeisterin Gabi Coutandin, Stadtbrandinspektor Mario Wörner und Pressesprecher Werner Flechsenhar vertreten.

Der Blick in die Zukunft beschäftigte auch Landrat Alfred Jakoubek. „Wir sind derzeit noch gut aufgestellt: Das ist aber kein Ruhekissen“, sagte der Verwaltungschef. In Bezug auf den Bevölkerungsrückgang mahnte er an, dass die beste Ausrüstung - die im Übrigen noch nie so gut gewesen sei wie heute - nichts nutze, wenn keiner sie bedienen könne. So müssten die derzeitigen Gefahrenabwehrpläne durch ernsthafte Planungen ergänzt werden, wie die Feuerwehren zur Zukunftsschmiede werden. Seine Devise umriss der Landrat mit den Worten „Qualität mit Männern und Frauen“. Zum Thema Frauen führte er an, dass das Umdenken endlich Eingang in die Praxis finden müsse. „Nicht nur darüber reden, auch machen“, sagte er mit Blick auf eine Reihe von Vorbehalte gegenüber weiblichen Kolleginnen, die noch auszuräumen seien.

Des Weiteren müsse man die Anerkennung der Wehr in der Bevölkerung verbessern. So sei es früher gang und gäbe gewesen, dass die meisten Hausbesitzer für ein paar Euro im Jahr auch passive Mitglieder bei der Feuerwehr waren. Forcieren will Jakoubek zudem die Partnerschaften zwischen Feuerwehr und den ortsansässigen Betrieben als auch die Integration der Familien von Feuerwehrmännern in den Feuerwehrverband: „Die können sich unter dem Feuerwehrdach heimisch fühlen, wenn wir mehr Aktivitäten für Familien und Kinder anbieten.“

Den Gastvortrag des Abends hielt Peter Friedrich von der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen. Er erzählte in einer Chronologie über die Brandkatastrophe in seiner Stadt, bei der 2008 in einem türkischen Mehrfamilienhaus neun Menschen starben. Eine wichtige Erkenntnis sei, dass Brandschutzerziehung nicht an Immigranten vorbeigehen dürfe. So hätten in dem Haus in Mannheim katastrophale Zustände vorgelegen, was Fluchtwege, Rauchmelder und ähnliches betrifft. Mittlerweile seien aus dem Inferno auch positive Errungenschaften resultiert: So habe es laut Friedrich in der Folge einen Austausch mit der Berufsfeuerwehr in Istanbul gegeben und auch andere Bemühungen hätten Früchte getragen: Mittlerweile gehörten der Jugendwehr zwei türkische Mädchen an und auch die Einsatzabteilung habe eine türkische Feuerwehrfrau.

Quelle: op-online.de

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