Zusammenhalten in schwierigen Zeiten

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Beim großen „Frühlingssingen“ der „Bruderkette“ Sickenhofen haben insgesamt vier Chöre teilgenommen, darunter der Liederkranz aus Hergershausen.

Babenhausen - Was liegt bei diesem warmen Frühlingsbeginn näher, als mit anderen Sängervereinigungen die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres zu begrüßen? So lud der Gesangverein „Bruderkette“ zum ersten „Frühlingssingen“ in die Sickenhöfer Mehrzweckhalle ein. Von Michael Just

Dazu holte man sich Verstärkung von anderen Chören aus Babenhausen – so dem „Liederkranz“ Hergershausen und der „Sängerlust“ aus Harreshausen. Zusätzlich brachte der Chorleiter der Bruderkette, Kurt Herd, noch die „Tramps“ aus seiner Heimat Hainhausen mit, die er ebenso betreut wie den dortigen Kirchenchor. Mit diesem Konzert war eine Premiere verbunden, denn das Frühlingssingen gab es in dieser Form zum ersten Mal.

Den Anfang machten die Gastgeber, danach folgten die „Tramps“ aus Rodgau. Im Anschluss sangen Sängerlust und Liederkranz, denen beide Chorleiter Peter Wilhelm vorsteht. Das Finale bestritten nochmal die Gäste aus Hainhausen. Jeder Chor gab eine Visitenkarte seines Leistungsstandes ab und dabei fünf bis sechs Lieder zum Besten. Den Mittelpunkt bildeten fröhliche Frühlings- und Stimmungslieder. Zu den Klängen standen Kaffee und Kuchen bereit, in einer kleinen Pause war auch Gelegenheit zu Austausch und Plausch.

Wie Chorleiter Kurt Herd sagte, habe man es sich zur Aufgabe gemacht, die Gesangstradition in Sickenhofen fortzuführen. Das sei keine leichte Aufgabe: „Alle traditionsverbundenen Gesangsvereine haben heute ihre Probleme.“Das treffe aber nicht nur auf die Region, sondern ganz Deutschland zu. Auch gebe es keinen Gruppennachwuchs mehr: „Früher traten auch mal ganze Fußballmannschaften geschlossen in einen Chor ein, die nicht mehr aktiv sind. Diese Zeiten sind vorbei“, fällt sein Resümee nicht ohne Wehmut aus.

Heute würden in der Regel nur noch einzelne Personen zu einem Chor hinzustoßen: So seien die vergangenen Jahre nicht spurlos an der Bruderkette vorbeigegangen. Habe man einst 40 bis 50 Mitglieder gezählt, seien es mittlerweile nur noch die Hälfte – der Altersdurchschnitt liege zwischen 50 und 80 Jahren. „So versuchen wir uns, wie viele andere Chöre, so gut es geht am Leben zu erhalten“,sagt der Hainhausener.

Auf das 100-jährige Jubiläum der Bruderkette 2011 blicke man trotzdem zuversichtlich: „Wir müssen im Vorfeld eben genau klären, wie groß sich so etwas aufziehen lässt.“ Die künftigen Herausforderungen für viele Chöre sieht Herd nicht nur darin, neue Sänger zu finden, sondern auch, die gegenwärtigen Mitglieder bei der Stange zu halten: „Es ist immer wichtig, Aufgaben und Ziele anzubieten, um so eine Spannung aufzubauen.“

So sei eine gute Motivation fast mit einer kleinen Zukunftsversicherung gleichzusetzen. Als Beispiel führt der Chorleiter die Vorbereitung auf besonders große Konzerte an, wie es das Weihnachtssingen im vergangenen Jahr für die Bruderkette darstellte. Dafür galt es, reichlich neue Literatur zu lernen und auch sonst viele andere Dinge akribisch vorzubereiten. Dennoch seien auch mit diesen großen Konzerten Grenzen verbunden: „Auch hier können wir uns nicht jedes Mal neu erfinden und müssen ein paar alte Lieder hinzunehmen.“

Den Zusammenhalt der Bruderkette bezeichnet Herd mit einem Schmunzeln als besonders gut: „Dieser Chor hält zusammen. Wir haben einige Sänger, die lassen aber auch gar nichts auf die Bruderkette kommen.“ Ein gutes Kollektiv sieht der Lehrer fürs Überleben vieler Chöre nicht nur intern, sondern auch im Zusammenspiel mit anderen lokalen Sängergemeinschaften als unabdingbar an.

So müsse man künftig – wie beim Frühlingssingen – verstärkt gemeinsam fürs Chorwesen werben. „Wir gehen dahin und dorthin und andere kommen zu uns. Alle Chöre sind gefordert, gemeinsam etwas aufzubauen.“

Quelle: op-online.de

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