Zwei Fronten bei Elb-Schliff-Plänen

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Quo vadis Elb-Schliff? Die Erweiterung des Babenhäuser Traditionsunternehmens, zu der auch ein Wohngebiet gehören soll, spaltet die Politik in Babenhausen.

Babenhausen - Als vor wenigen Tagen der Startschuss für den Verkauf der Kaserne fiel, lobte Stadtverordnetenvorsteher Wulf Heintzenberg die gute Zusammenarbeit aller Parteien im Vorfeld: „Wenn es um Großprojekte geht, steht man zusammen.“ Von Michael Just

Demnach scheint der Expansionswunsch der Firma Elb-Schliff mit einem Investitionsvolumen von 15 Millionen Euro und 100 angekündigten neuen Arbeitsplätzen kein Großprojekt zu sein. Denn es ziehen sich erneut tiefe Gräben zwischen den Parteien.

Das wurde diese Woche im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau, Umwelt und Verkehr deutlich, wo es die Elb-Pläne für die Abstimmung im Parlament zu sondieren und zu erörtern galt. Knackpunkt: Der Schleifmaschinenhersteller will zur Refinanzierung seiner Produktionserweiterung ein Wohngebiet für rund 450 Menschen auf seinem Grundstück schaffen. Wohngrund verkauft sich eben teurer als Gewerbegrund. Während die CDU gegen das Wohngebiet ist, zeigt sich die SPD für neue Arbeitsplätze kompromissbereit.

Beeinflusst die Südumgehung in Zukunft einmal das Wohngebiet?

Friedel Sahm (CDU) lehnt die Pläne schon deshalb ab, weil man nicht wisse, wie die mögliche Südumgehung in Zukunft einmal das Wohngebiet beeinflusst. Dass im Bauaufstellungsplan eine mögliche Trassenführung berücksichtigt wurde, reicht Sahm nicht aus. Für Bürgermeisterin Gabi Coutandin nicht nachvollziehbar: „Wir können wegen der Südumgehung doch nicht immer wie das Kaninchen auf die Schlange gucken. Dann kommt die Stadt nicht voran und wir könnten viele Sachen gleich auf den St. Nimmerleinstag vertagen.“ Weitere Argumente von den Grünen und der CDU gegen das Wohngebiet: Fluglärm durch Motorsportflugzeuge, die beim LSC landen, die Vernichtung von Gewerbefläche sowie die Frage, wo die Menschen alle herkommen, die in der Kaserne und bei Elb wohnen sollen.

Die Diskussion spielte sich vor dem Hintergrund ab, dass alle zuständigen Behörden für das Vorhaben von Elb zwar in einigen Fällen Bedenken einräumten, grundsätzlich aber grünes Licht gaben. Das Regierungspräsidium wies auf nötige Lärmschutzmaßnahmen hin, während IHK und Handwerkskammer anmerkten, dass das Wohngebiet nicht im Einklang mit dem Babenhäuser Stadtentwicklungskonzept steht. „Die gesetzlichen Grundlagen sind zwar erfüllt, wir glauben aber, dass hinterher die Schwierigkeiten kommen“, befürchtet Frank Ludwig Diehl (Grüne).

Für neutrale Beobachter zeigte sich die Diskussion schon deshalb als ungewohnt, weil CDU und SPD Rollen einnahmen, die man sonst weniger mit diesen Parteinamen verbindet. Die SPD präsentierte sich mit ihrer Bürgermeisterin als konsequenter Wirtschaftsförderer, der eine Großinvestition samt neuer Arbeitsplätze nicht gefährden will. Die CDU widersprach fast durchweg mit sozialen Aspekten, wie etwa beim Kinderspielplatz, der ebenfalls zum neuen Wohngebiet gehören soll: „So nah an einem Industriegebiet können wir den nicht gut heißen“, sagte Langstadts Ortsvorsteher Günther Eckert.

„Es wird weder Schornsteine noch eine größere Lärmentwicklung geben“

„Es wird weder Schornsteine noch eine größere Lärmentwicklung geben“, entgegnete Coutandin und erinnerte nochmals daran, dass die Behörden sonst nicht ihre Absegnung gegeben hätten. So standen sich die Parteien mit verhärteten Fronten und höchst unterschiedlichsten Szenarien gegenüber: Die Befürworter sehen für das Wohngebiet die ideale Lage am Waldrand mit der perfekten Nähe zu den Einkaufsmärkten, die Gegner ein Ghetto, das zwischen Schaafheimer Straße und Edmund-Lang-Straße rundherum mit Lärmschutzwällen geschützt werden muss.

Bei den höchst gegensätzlichen Haltungen konnte man sich auf keine Empfehlung zur Abstimmung in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 8. Dezember, einigen. Dort dürfte das Thema über die Elb-Erweiterung und die Frage „Mit oder ohne Wohngebiet?“ nochmals für einen langen Diskussionsabend bei den Stadtverordneten sorgen.

Quelle: op-online.de

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