Zwei strampeln über die Alpen

Nach 45 Stunden und 29 Minuten im Sattel erreichen Frank und Jens Stoiber den Gardasee.

Langstadt - Acht Etappen, 19 Pässe, 619 Kilometer Strecke, 21 166 Höhenmeter, 550 Zweierteams, 40 Nationen – so liest sich die Mountainbiketour Transalp in Zahlen. Von Katharina Hempel

Weder in Tabellen noch in Nummernreihen lassen sich die Anstrengungen von Frank Stoiber und seinem Sohn Jens pressen. Zusammen mit 1 098 Bikern haben die beiden Langstädter die achttägige Tour auf dem Sattel ihrer geländetauglichen Fahrräder gemeistert. Ein Auto würde die gleiche Strecke an etwa einem Tag abfahren.

„Ich habe 2009 schonmal an der Transalp teilgenommen. Zusammen mit meinem Sohn war es jetzt aber das erste Mal. Jens wollte mitfahren und suchte noch den passenden Partner. Und da wir beide ungefähr das gleiche Tempo haben, sind wir ein Team geworden“, erzählt Frank Stoiber. Um sich auf die Alpentour vorzubereiten, fahren beide im Vorfeld jeweils 5 000 Kilometer mit ihren Rennrädern.

Als „Lengschder Team – Vader und Sohn“ gehen der 46- und der 19-Jährige am 14. Juli im Oberammergau an den Start. Es regnet. Binnen acht Tagen wollen sie die Alpen überqueren und Riva am Gardasee erreichen. Dazwischen liegen Wald-, Feld- und Wanderwege, Geröll, Schotter und wackelige Holzstege über Wildwasserbächen.

Etwa 30 Profiteams mit dabei

Neben den Hobbyradlern sind etwa 30 Profiteams mit dabei. „Für die Profis war es ein Rennen, bei uns stand im Vordergrund, es zu schaffen. Der Weg war das Ziel“, erinnert sich Frank Stoiber.

An den ersten beiden Tagen, von Oberammergau nach Imst und von Imst nach Ischgl, ist die Regenjacke ihr ständiger Begleiter. „Dementsprechend sahen wir und die Räder aus: alles voller Dreck. Ab Ischgl war es dann trocken, aber wir mussten warme Sachen mitnehmen, denn auf dem Idjoch, in 2 700 Metern Höhe lagen die Temperaturen am Gefrierpunkt.“

Klar, dass die Anstrengungen ihre Spuren hinterlassen. Frank Stoiber: „Am Ende des Tages haben wir versucht, eher zu sitzen oder zu liegen als zu stehen, um unsere Beine zu entlasten.“ Doch nicht nur diese schmerzen. Lachend gesteht der Transalp-fahrer, dass man mit der zunehmenden Woche auch den Hintern immer mehr spürte.

Vater und Sohn bewältigen die lange Strecke

Vier Tage nach dem Startschuss erwartet das „Lengschder Team“ die längste Tagesetappe. Sie lenken ihre Räder vom Wintersportort Livigno nach Ponte di Legno im Nationalpark Stilfser Joch. Vater und Sohn bewältigen eine 106 Kilometer lange Strecke und 3 500 Höhenmeter. „Aber mit den zwei Verpflegungsstellen die es täglich gab, war auch das zu schaffen. Außerdem hatten wir Simone Janz, Joachim und Andrea Selzer dabei, unser Küchenteam, das uns täglich bei der Ankunft mit einem warmen Essen versorgte.“

Nach gut einer Woche geben die grauen Felsriesen den Mountainbikern endlich den Blick auf den Gardasee frei. „Da fuhr uns ein Schauer über den Rücken und alle Strapazen der letzten Tage waren vergessen“, erinnert sich Frank Stoiber. „Jetzt war klar: Das Ziel ist nicht mehr weit. Auf den letzten fünf Kilometern im Ebenen konnte ich mich nur noch schwer im Windschatten von meinem Sohn Jens halten.“ Nach 45 Stunden und 29 Minuten im Sattel erreichen Frank und Jens Stoiber den Endpunkt Riva am Gardasee und belegen – zu ihrer Überraschung – in der Gesamtwertung den 252. Platz von 550 Teams.

Die Ziellinie überqueren sie ohne größere Verletzungen. „Mich hat es mal hingelegt, aber ich habe mich zum Glück nur aufgeschürft. Die Abfahrten sind oft steinig und schotterig. Sonst ist uns nichts passiert. Die ganze Woche über mussten wir vorsichtig fahren“, sagt Stoiber. senior. Ob sie nächste Jahr wieder mitfahren, ist noch offen.

Quelle: op-online.de

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