Gratwanderung bei der Entgratung

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Die bearbeiteten Teile durchlaufen eine gründliche, kameraüberwachte Endkontrolle, bevor sie in Kisten versandfertig gemacht werden.

Babenhausen - „Es gab Zeiten, da hatte ich schlaflose Nächte“, sagt Sefah Altun. Genau in der Krise gründete der junge Unternehmer zusammen mit seinem Partner Aziz Yavaz zwei Firmen. Von Ulrike Bernauer

Die beiden Maschinenbauingenieure hatten sich über das Studium an der Fachhochschule Darmstadt kennengelernt. Beide kommen ursprünglich aus der Türkei, weshalb die Firma IW-Projekt GmBH auch dort ansässig ist. „Wir vermitteln zwischen unseren Kunden aus dem Maschinen- und Stahlbau und Herstellern, die Maschinen bauen“, erklärt Altun, „dazu haben wir mittlerweile acht Ingenieure eingestellt. “.

Die Firma IW Gussputz hingegen ist in Babenhausen ansässig. Vor zweieinhalb Jahren gründeten die beiden jungen Ingenieure, Altun ist gerade einmal 28 Jahre alt, die Firma, im Oktober vergangenen Jahres siedelte sie sich auf dem Gelände der Elb-Schliff an. „Wir sind zu einem schwierigen Zeitpunkt eingestiegen und das auch noch in einem hart umkämpften Geschäftszweig“, erinnert sich Altun. Rohgussteile werden an die IW Gussputz geliefert, die Babenhäuser Firma bearbeitet die Teile dann so, dass sie beim Kunden eingebaut werden können. Zu den Aufgaben der mittlerweile knapp 45 Mitarbeiter (35 davon gehören zur Stammbelegschaft) gehören hauptsächlich Entgratungsarbeiten. IW Gussputz macht aber auch eine Qualitätskontrolle und sortiert die Ausschussware gleich aus. Hydraulische Baukomponenten werden in der Hauptsache in Babenhausen bearbeitet.

„Was wir machen, können andere auch“, beurteilt Altun ganz nüchtern die Arbeit seiner Mitarbeiter. Abheben von der Konkurrenz will sich die IW Gussputz durch hohe Qualität. Dass das auf Dauer kaum ausreichen wird, weiß der junge Firmenchef. Deshalb hat er sich schon ein neues Konzept überlegt, dass sein Unternehmen für die bestehenden und potenzielle neue Kunden attraktiv halten oder noch machen soll. Sie sollen künftig „just in time“ die benötigten Teile bestellen können, so dass sich Lagerkosten beim Auftraggeber einsparen lassen. Zurzeit läuft schon ein Pilotprojekt hierzu in Babenhausen. Altun hofft, dadurch neue Auftraggeber gewinnen zu können. Er hat aber noch mehr Ideen, er kann sich auch vorstellen, auf Kundenwunsch weitere Bearbeitungsschritte in Babenhausen zu realisieren. Möglich und angedacht ist, die Bauteile so zu fertigen, dass keine Nachbearbeitung, wie beispielsweise eine Lackierung, mehr beim Kunden erfolgen muss, sondern dieser die Teile sofort wie geliefert einbauen kann.

3 000 Quadratmeter Fläche hat IW Gussputz schon auf dem Gelände, auf dem früher Elb-Schliff produzierte, gemietet. „Es kann gut sein, dass wir noch zusätzliche Flächen brauchen“, sagt Altun, rund 1 500 Quadratmeter stünden in unmittelbarer Nachbarschaft noch zur Verfügung. Dazu muss die Firma aber auch neue Arbeitsplätze schaffen, qualifizierte Mitarbeiter sind also händeringend gesucht. „Obwohl die Arbeit hart ist, fühlen sich unsere Mitarbeiter wohl, wir sind wie eine große Familie“, freut sich Altun. Er ist stolz auf die eingespielte Mannschaft, die ihren Job gut erledigt. Vorerst will Altun auf dem Gelände der Elb-Schliff bleiben, langfristig kann er sich den Aufbau eigener Produktionsgebäude vorstellen. Am Standort Babenhausen will er voraussichtlich festhalten. „Hier gibt es eine gute Verkehrsanbindung für die Lkw, die Teile liefern und abholen, aber auch der Eisenbahnanschluss ist ein großer Vorteil für uns.“

Das geplante Wachstum wollen die beiden Firmeninhaber jedoch langsam angehen lassen. „Wir überschätzen nicht unsere Lage“, sagt Altun und denkt auch nicht nur an die eigene Zukunft, sondern auch an die der 45 Mitarbeiter. Auch die hätten schließlich Familie, für die sie Verantwortung trügen. Altun ist froh, dass sie die Krisenjahre gut bewältigt hätten. Neben der Finanzkrise gab es in der Vergangenheit mitunter auch Qualitätsprobleme bei den Produkten. „Das haben wir aber in den Griff bekommen, als nächstes wollen wir uns nach der ISO 9001 zertifizieren lassen“, blickt der junge Chef optimistisch in die Zukunft.

Quelle: op-online.de

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