„Zweifel an Kosten angebracht“

Babenhausen (st) ‐ Auf das Küstenmotorschiff „Jenny“ ist jetzt auch der Bund der Steuerzahler Hessen aufmerksam geworden. Die Ausgabenwächter wurden aus der Babenhäuser Bürgerschaft über die Planungen im Freibad informiert.

Wie Clemens Knobloch vom Steuerzahlerbund auf Anfrage sagte, habe er sich mit Befürwortern und Gegnern von „Jenny“ zusammengesetzt, darunter Bürgermeisterin Gabi Coutandin, die Betriebskommission, der Architekt und das Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven.

Vor dem Hintergrund eines Haushaltsminus von 4,2 Millionen Euro im laufenden Jahr bleibe der Stadt „kaum noch Luft zum Atmen“, wie Knobloch in der aktuellen Ausgabe der Hessen-Zeitung des Steuerzahlerbunds formuliert. Unzweifelhaft sei, dass das Freibad saniert werden muss. Erstaunlich sei dabei, wie schnell man den ursprünglichen Kostenrahmen für das neue Freibad um über 20 Prozent senken konnte: „Als Mitte November letzten Jahres der Sanierungsplan für das Schwimmbad vorgelegt wurde, rechnete man noch mit Kosten von über 4,5 Millionen Euro. Doch die Kommunalaufsicht vertrat die Auffassung, dass die Stadt diese Summe nicht schultern kann. Nachdem die Obergrenze auf 3,5 Millionen Euro festgesetzt wurde, dauerte es nur wenige Wochen, bis die Planer die Gesamtkosten mit nur noch 3,5 Millionen Euro bezifferten.“

Die Stadt kann sparen

Die Grünen sind weiterhin für den Kauf.

Knobloch listet die Einsparungen auf: Statt eines überdimensionalen Lärmschutzwalls mit Terrassen-Lösung für 650.000 Euro kommt jetzt ein normaler Erdwall für 344.000. Das neue Dach für die Umkleidekabinen mit Solaranlage für über 300.000 Euro entfällt ganz. Die Planungskosten verringerten sich um 168.000 Euro.

Bleibt die Kritik an „Jenny“: „Obwohl die eigentliche Idee für die Anschaffung des Schiffs – nämlich die Einrichtung eines größeren Gastronomiebetriebes mit unterirdischer Anbindung für externe Besucher - aus Kostengründen verworfen werden musste, will man aus Prestigegründen an dem Projekt (jetzt mit einer Kioskvariante) festhalten.“ Dazu müsse aber nochmal der Sparstift gezückt werden. Denn mit den angegebenen 225.000 Euro könne das Vorhaben nicht realisiert werden, da man bei den ursprünglichen Berechnungen die Transportkosten in Höhe von rund 100.000 Euro vergessen habe.

Jenny auf der Kippe

Zweifel, ob sich die Kosten für das Schiffsprojekt auf insgesamt 300.000 Euro - die Verwaltung rechnet gar mit knapp 330.000 Euro - begrenzen lassen, seien angesichts „dieses bundesweit einmaligen Experiments durchaus angebracht“, wie der Steuerzahlerbund formuliert. Fragwürdig bleibe, warum man an „Jenny“ überhaupt festhalte, nachdem mit der Gastronomie die Hauptbegründung weggefallen sei. Die Schwimmbadtechnik könne man auch in einem separaten Gebäude für rund 120.000 Euro unterbringen. Somit wäre auch noch Geld übrig für „die dringend notwendige Sanierung des Kinderplanschbeckens und man müsste damit nicht auf den gewünschten, aber in absehbarer Zeit nicht möglichen zweiten Bauabschnitt warten“.

Recherchen des Steuerzahlerbunds hätten ergeben, dass selbst bei einer kleinen Lösung 300.000 Euro für das Schiff wohl nicht ausreichen würden. Da dafür ursprünglich nur 225.000 Euro angesetzt waren, müsse jetzt, wenn man darauf nicht verzichten wolle, klar aufgezeigt werden, an welcher Stelle eingespart werden soll. Die Obergrenze von 3,5 Millionen Euro sei jedenfalls einzuhalten.

Knobloch will Bürger fragen

Knobloch will allerdings seinen Artikel nicht als Votum gegen „Jenny“ verstanden wissen: „Über die Gestaltung des Schwimmbads müssen die Bürger und die politisch Verantwortlichen vor Ort entscheiden. Man hätte die Bürger ja mal fragen können, was sie wollen.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Pixelio

Kommentare