Zwergentreff macht Schluss

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Spaß und gute Betreuung hatten die Zwerge all´ die Jahre in ihrem Treff. Damit ist es jetzt aber vorbei.

Babenhausen - Aus der Not heraus gründeten Eltern vor rund zehn Jahren eine Initiative zur Betreuung ihres Nachwuchses von einem bis drei Jahre. Ein Angebot für diese Altersklasse gab es bislang in Babenhausen nicht. Von Stefan Scharkopf

Nun ist Schluss: Aus Mangel an Interesse schließt der Zwergentreff im Sophie-Kehl-Weg 1 seine Pforten. „Die Zeit hat sich verändert und so auch der Bedarf an Betreuungsangeboten für Kleinkinder“, resümiert David Jocham vom Vorstand des Betreuungsvereins.

Die 2002 gegründete Elterninitiative hatte es sich zur Aufgabe gemacht, für Kinder von einem bis drei Jahre in Babenhausen eine liebevolle Betreuung anzubieten. In einer Kleingruppe von maximal zehn Kindern beschäftigten sich zwei Betreuerinnen an drei Vormittagen mit den Kleinen: Ein gemeinsames Frühstück gehörte genauso zum Programm wie nach Lust und Laune spielen. In der überschaubaren Gruppe unternahmen die Zwerge erste Schritte der Eigenständigkeit. Während ihre Sprösslinge einen oder mehr Vormittage mit zwei Betreuerinnen spielten, bastelten und sangen, konnten die Eltern die Zeit nutzen, auch mal Dinge allein zu erledigen.

„Große Nachfrage beim Zwergentreff“

2007 lautete eine Überschrift in unserer Zeitung: „Große Nachfrage beim Zwergentreff“. Diese Zeiten schienen bald vorbei. Immer weniger Eltern machten von dem Angebot Gebrauch, zum Schluss wurde nur noch ein einziges Kind betreut. Es gab auch mal eine Krabbelgruppe für Kinder von null bis einem Jahr.

In den Herbstferien hatte sich abgezeichnet, dass dem Treff das Aus drohen könnte, wenn nicht mehr Mädchen und Jungs angemeldet werden. Die Stadt, die die Einrichtung immer unterstützt habe, wie Jocham sagt, rührte nochmal die Werbetrommel. Auch der Arbeiter-Samariter-Bund, der die städtischen Kindergärten in Obhut hat, wurde gebeten, Eltern auf dieses Angebot hinzuweisen. Gebracht hat es allerdings nichts mehr.

Der Zwergentreff wollte nie eine Konkurrenz zu den Kindergärten sein, sondern eine Ergänzung mit einem Konzept, das auf Mithilfe der Erziehungsberechtigten fußt. „Eltern wollen am liebsten ein Rundum-Sorglos-Paket mit vier bis fünf Stunden Betreuung an fünf Tagen“, sagt Jocham. „Doch unser Konzept war darauf ausgelegt, dass Eltern helfen, das Frühstück mit vorbereiten, bei der Reinigung der Räume und bei regelmäßigen Ausflügen dabei sind. So etwas wie ein Vereinsleben für Kinder eben.“

Garantie zur U3-Betreuung

Es gab sogar ein Konzept für eine Fünf-Tage-Woche, vielleicht auch an einem anderen Ort, doch da hätte die Stadt Geld zuschießen müssen. Letztlich war es aber so, sagt Jocham, dass das Elterninteresse an der Einrichtung offensichtlich erlahmt ist. Wenn im kommenden Jahr die Garantie zur U3-Betreuung in Kraft tritt, wäre der Zwergentreff womöglich auch als Konkurrenz zu den Kitas angesehen worden, meint er.

In der letzten Mitgliederversammlung Ende September standen Vorstandswahlen an. Niemand aus der Elternschaft wollte den Vorsitz übernehmen. Dies und die Tatsache, dass eine Mitarbeiterin in einer anderen Einrichtung mehr Stunden arbeiten wollte und der Vertrag mit der zweiten auslief, ließ den noch amtierenden Vorstand nun die Reißleine ziehen.

„Doch jetzt hat sich unsere Zielgruppe wohl erschöpft“

„Ich wollte als Pastor und Christ nicht nur über die Politik schimpfen, sondern auch etwas bewegen“, resümiert Jocham. „Doch jetzt hat sich unsere Zielgruppe wohl erschöpft.“ Der Betreuungsverein ist, wie er sagt, nicht im Minus. Sollte dennoch jemand erneut eine solche Privatinitiative ins Leben rufen wollen, stehe er zur Unterstützung bereit.

Jocham bedankt sich bei allen Mitgliedern, Mitarbeitern und Mitwirkenden und bei der Stadt. Der Vorstand mit Doreen Vettermann, Silke Berres und David Jocham lädt zum Abschieds-Kaffeeklatsch ein. Für Samstag, 15. Dezember, 14 bis 16 Uhr, werden alle Ehemaligen und Interessierten in den Sophie-Kehl-Weg 1 gebeten. Neben Kaffee und Kuchen gibt es die Möglichkeit, Teile des Inventars gegen eine Spende zu erwerben. Der Erlös geht an eine soziale Einrichtung.

Quelle: op-online.de

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