Kubanisches „Ballet Revolución“ in Alter Oper

Hüftschwung und Sinnlichkeit

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Lateinamerikanisches Tanztemperament gepaart mit europäischen Tanzfiguren und nordamerikanischer Musik.

Frankfurt - Im Wort „Revolution” hat sich das Wort „Evolution” versteckt. Daher erneuert die kubanische Tanzshow „Ballet Revolución” in der Alten Oper nicht nur althergebrachte Vorstellungen von tänzerischen Bühnenspektakeln. Von Christian Riethmüller

Sie führt auch gleich noch den Beweis, dass es vom klassischen Ballett zum athletischen Streetdance eigentlich nur ein Sprung ist - vorausgesetzt allerdings, die Tänzer verfügen über ähnliche Sprungkraft wie die 19 Mitglieder des Ensembles aus Havanna. Sowohl all die Figuren des klassischen Balletts als auch Streetdance und lateinamerikanische Tänze meisterlich zu beherrschen ist keine Selbstverständlichkeit, auch nicht bei Absolventen entsprechender Hochschulen. Ballett und Modern Dance haben sich weit auseinanderentwickelt und verlangen meist die Spezialisierung.

Auf Kuba sieht das derzeit noch anders aus, was in gewisser Weise ebenfalls etwas mit dem dem Begriff „Revolution” zu tun hat. Denn trotz der weit verbreiteten Annahme, auf Kuba tanze jeder wie ein Profi, ist institutionalisierter Tanz auf der Karibikinsel eine relativ junge Erscheinung. Die erste Ballettcompagnie des Landes wurde im Jahr 1948 gegründet, und Modern Dance gewann erst nach 1959, also nach Fidel Castros Revolution, an Bedeutung. Auf Castros Initiative wurde 1961 die Escuela Nacional de Arte (ENA) gegründet, die ihren Teil dazu beitragen sollte, die menschliche Gesellschaft neu zu erfinden und jedem eine kostenlose künstlerischen Ausbildung zu ermöglichen.

Figuren aus klassischem Ballett und Streetdance

„Jeder” meinte freilich nicht alle Kubaner, sondern nur die talentiertesten. Die Auserwählten erhalten an der ENA eine so harte wie vorzügliche Ausbildung, was die Vielzahl an exzellenten Tänzern und Musikern erklären dürfte, die die Insel hervorbringt. Am Ehrgeiz der ENA-Studenten dürfte es ohnehin nicht mangeln, bietet der Abschluss doch die Aussicht auf ein halbwegs auskömmliches Leben mit zahlreichen Privilegien in dem armen und restriktiven Staat.

Um diesen Talentpool in Havanna wissen der australische Produzent Mark Brady und sein englischer Co-Produzent Jon Lee schon seit über 15 Jahren. Mit Shows wie „Lady Salsa” oder „The Bar at Buena Vista“ haben sie die weltweite Begeisterung für kubanische Musik und Tänze schon öfter erfolgreich bedient. Mit „Ballet Revolución” setzen sie diese Serie einerseits fort, beschreiten andererseits aber auch einen neuen Weg. Bei dieser Show geht es nicht mehr primär um kubanische Traditionen, sondern um die Verwandlung europäischer Tanzfiguren, nordamerikanischer Popmusik und lateinamerikanischem Tanztemperament zu einem Genre-Mix.

Jazztanz zu Popsongs

Ausdrucksstarker Jazztanz zu Popsongs

Das Ensemble zeigt in den Choreographien des Australiers Aaron Cash sowie des Kubaners Roclan Gonzalez Chavez eine Vielzahl vollendeter Schwebe- und Hebefiguren, Pirouetten, Überschläge und spektakuläre Sprünge, aber auch kontemplative Momente voller Sinnlichkeit. Die tänzerischen Meisterleistungen werden von einem achtköpfigen Orchester kongenial befeuert. Bandleader und Bassist Osmar Salazar Hernandez hat eigene Stücke und vor allem zahlreiche Pop-Hits von Künstlern wie Rihanna, Beyoncé, Prince, James Brown, Sting oder Bruno Mars mit knackigen Arrangements versehen, die nicht nur den Tänzern in Beine und Hüften fahren werden.

„Ballet Revolución” ist von heute bis Freitag, 25. April, sowie von Dienstag, 29. April, bis Freitag, 2. Mai, in der Alten Oper Frankfurt zu sehen. Beginn ist jeweils um 20 Uhr.

Quelle: op-online.de

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