Bariton für viele Fälle

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Immer schön locker bleiben: Johannes Martin Kränzle ist seit 13 Jahren in Frankfurt engagiert und setzt vor den Auftritten auf Entspannung.

Frankfurt - Als Opernsänger ist Johannes Martin Kränzle ein Mann für viele Fälle. In Wagners „Götterdämmerung“ verkörpert das Frankfurter Ensemblemitglied den Gunther, der sich mit Siegfrieds Hilfe Brünnhilde gefügig macht. Von Klaus Ackermann

Regie führt auch beim Finale des „Ring des Nibelungen“ Vera Nemirova, die musikalische Leitung hat wieder Wagner-Spezialist Sebastian Weigle. Premiere ist am 29. Januar um 17 Uhr im Opernhaus am Willy-Brandt-Platz.

Ob nun in Bayreuth, Mailand, New York oder Frankfurt- dieser Gunther ist ein rechtes Weichei. „Er lässt sich leiten und verleiten“, sagt Kränzle. Vor allem vom Finsterling Hagen, der Siegfried den Todesstoß versetzt – und so das göttliche Schlamassel in Gang bringt. Kein Problem für Kränzle, der auch schwach gezeichnete Bühnenfiguren Sympathie abgewinnt.

Berlin, Mailand, Frankfurt

Es ist nicht die ersteWagner-Partie des viel gefragten „Sänger des Jahres“ 2011. Der Bariton hat schon den Beckmesser („Meistersinger“) an der Staatsoper Berlin und vor allem das Ekelpaket Alberich („Ring“) mit großem Erfolg an der Mailänder Scala gesungen. „Wenn so eine Partie gelingt, kommen die Angebote für einen deutschsprachigen Sänger wie von selbst“, kommentiert Kränzle, der Mozart und Verdi in seinem umfangreichen Repertoire favorisiert. Doch bei intensiver Beschäftigung wachse auch die Liebe zum Sujet.

Der zeitgenössischen Oper steht Kränzle recht offen gegenüber, bei den Salzburger Festspielen 2010 etwa sang er die Titelpartie der Uraufführung von Wolfgang Rihms „Dionysos“. „Ganz schön stressig“, erinnert sich der Sänger, weil die Partitur erst einen Monat vor Probebeginn fertiggestellt war. Freilich scheut er sich auch nicht vor Absagen, wenn für ihn „zu viel Aufwand für zu wenig Wirkung“ getrieben wird.

Doch es gibt sogar noch Rollenwünsche. Alban Bergs „Wozzeck“ etwa oder „Mathis der Maler“ des Hanauers Paul Hindemith, „der in Frankfurt leider viel zu wenig gespielt wird“. An der Oper Frankfurt ist der gebürtige Augsburger schon seit 13 Jahren engagiert, der nach einem Violin- und Musiktheater-Regie-Studium in die Meisterklasse des unvergessenen Martin Gründler an der hiesigen Musikhochschule aufgenommen wurde.

In Frankfurt heimisch geworden

„Eine schöne Sache, wenn man Kollegen so lange kennt und schätzt“, sagt der am Main mit Frau und zwei Jungen (11 und 13 Jahre) heimisch gewordene Bayer. Auch vom Publikum werde man ganz anders wahrgenommen als bei internationalen Gastspielen. Mal sehen, was er jetzt aus dieser Rolle macht, so die Erwartungshaltung.

Auch das Kunstlied ist eine Disziplin, die der Bariton gern erfüllt. Romantische Balladen hat er mit dem Pianisten Hilko Dumko auf CD eingespielt (Oehms Classics), darunter Lieder von Schubert, Schumann, Gustav Mahler und Carl Löwe, die seiner so unangestrengt wirkenden wie dramatisch hochwertigen Stimme und vor allem seinem großen Stimmumfang entgegenkommen. Wie man ein so kostbares, aber auch empfindliches Instrument in Form hält? „Alles was man nicht singt, hilft“, lautet Kränzles Maxime. Es gebe immer die Versuchung, zu früh schwere Partien zu stemmen. Das sei der Anfang vom Ende. Und dann sollte man immer mit Freude zu Werke gehen, sie mache locker und vertreibe vor allem die Angst vor prekären Stellen.

Sagt ein Sänger, der keine geheimnisvollen Rituale vor dem Auftritt kennt. Im Gegenteil: „Je lockerer und normaler mein Tag, desto besser gelingt die abendliche Partie.“ Vor der „Götterdämmerung“ wird er sich einen Mittagsschlaf verordnen. Für einen zumindest stimmlich bärenstarken Gibichungen-Gunther.

Quelle: op-online.de

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