Barockes und Beginn eines neuen „Rings“

Barock im Aufwind, Start von Wagners lang ersehnter „Ring“-Tetralogie mit dem „Rheingold“, klassische Moderne und neue Musik, dazu Raritäten gestandener Opernkomponisten und konzertanter Schöngesang: Mit 13 Premieren und 15 Wiederaufnahmen verrät die Oper Frankfurt in der nächsten Saison deutlich Intendant Bernd Loebes Handschrift. Von Klaus Ackermann

Bei den Regisseuren und Dirigenten halten sich erfahrene Opernmacher und junge Heißsporne die Waage; an der Spitze Generalmusikdirektor Sebastian Weigle, der Barcelona endgültig den Rücken kehrt und mit 35 Vorstellungen in Frankfurt Präsenz zeigt. Samt Liederabenden und Sonderproduktionen weist die Spielzeit 2009/10 mehr als 280 Veranstaltungen aus.

Sie beginnt mit einer Seltenheit, „Simplicius Simplicissimus“ von Carl Amadeus Hartmann (1905-1963), der Grimmelshausens die Gräuel des Dreißigjährigen Krieges erlebenden Unschuldsknaben in Bezug zu den Katastrophen des 20. Jahrhunderts setzt. Regisseur Christof Nel hat das Stück für Stuttgart erarbeitet, Frankfurt hat die Produktion erworben. Dirigieren wird Kapellmeister Erik Nielsen. Ein typisches Loebe-Fundstück ist „L’Oracolo“, Schocker des wenig bekannten Italieners Franco Leoni (1864-1949), mit Puccinis „Le Villi“, Geistergeschichte aus dem Schwarzwald, kombiniert wird. Regie führt Sandra Leupold, am Pult steht der Schwede Stefan Solyom.

Zwischen Realität und Traum changiert Erich Wolfgang Korngolds (1897-1957) „Tote Stadt“, deren symbolistischen Gehalt Anselm Weber erkundet wie Weigle ihre Puccini-Nähe. Eine deutsche Erstaufführung ist „The Tempest“ nach dem Schauspiel „Der Sturm“ des britischen Zeitgenossen Thomas Adès, von seinem Landsmann Keith Warner inszeniert, mit Johannes Debus am Pult.

Nach großem „Arabella“- Erfolg dirigiert Weigle jetzt „Daphne“ von Richard Strauss in der Inszenierung von Claus Guth. Auch beim „Rheingold“ ist der GMD am Pult. Die Regie des „Ring“ wird der jungen Bulgarin Vera Nemirova anvertraut, deren „Tannhäuser“ nicht jedem gefallen hat. Für „Fausts Verdammnis“ hat Loebe erneut Regie-Altmeister Harry Kupfer verpflichtet – und Dirigentin Julia Jones.

Barock-Spezialist Andrea Marcon widmet sich „Orlando furioso“, dem „Rasenden Roland“ von Vivaldi, inszeniert vom „jungen Wilden“ David Bösch. Heftig rastet „La Giuditta“ aus, die laut Bibel Holofernes verführt und enthauptet. Das Oratorium von de Almeida wird im Bockenheimer Depot szenisch dargestellt mit Felice Venanzoni, Spezialist für barocke Verzierungskunst.

Dort wird weiter Benjamin Britten gepflegt, diesmal mit „Owen Wingrave“, dem Kriegsdienstverweigerer, eine junge Produktion: Regie führt Walter Sutcliff, am Pult Kapellmeister Yuval Zorn. Ebenfalls im Depot: Kurt Weills „Mahagonny-Songspiel“ und Helmut Oehrings „Die Wunde Heine“, eine Produktion des Ensemble Modern.

Konzertant ist Donizettis „Anna Bolena“ in der Alten Oper zu erleben, ebenso Puccinis „La Rondine“. Bei den Wiederaufnahmen singt Publikumsliebling Zeljko Lucic letztmals den „Nabucco“. Gespannt sein dürfen die knapp 11 000 Abonnenten auf Michael Quast, der fünf Klassiker von Jacques Offenbach bringt: Operettenzauber aus einer einzigen Kehle ...

Quelle: op-online.de

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