Aufbruchstimmung am Grünen Hügel

In Bayreuth sind die Ampeln auf Grün geschaltet

Nur Erzkonservative pflegen am Grünen Hügel weiter ihre Feindbilder. Dennoch ist die Aufbruchstimmung bei den Festspielen in Bayreuth deutlich zu spüren. Mit dem Urenkelinnen-Duo Katharina (31) und Eva Wagner-Pasquier (64) weht ein frischer Wind. Von Klaus Ackermann

Natürlich können sie noch keine Wunder vollbringen, weil Aufführungen lang vorgeplant sind, doch scheint das Terrain schon abgesteckt. Nicht nur Anbetung, Unterhaltung ist angesagt, gemessen an Katharina Wagners „Meistersinger“-Inszenierung oder mehr noch an den Bilderfluten des „Parsifal“. Der Norweger Stefan Herheim kann sich da auf den Philosophen Friedrich Nietzsche berufen, der vom glühenden Wagner-Anhänger zum erklärten Feind mutierte und das Bühnenweihfestspiel als „Operettenstoff par excellence“ verspottete. Doch ein starker Regisseur dominiert meist auch die Musik, was beim „Parsifal“ ohrenfällig ist, der bei Daniele Gatti nur in Momenten heftigen Schmerzes steter Langsamkeit und Milde entsagt.

Umgekehrt ist das in Tankred Dorsts „Ring“, bei dem Christian Thielemann den Ton angibt, Bayreuths Superstar, der sogar vergessen macht, dass der göttliche Vierteiler in die Jahre gekommen ist.

Festspiele ohne Thielemann sind undenkbar. Da haben es die Wagner-Schwestern schwer, für den wertkonservativen Star-Dirigenten einen Regisseur zu finden, mit dem er kann. Kaum denkbar, dass er mit Hans Neuenfels, ebenfalls ein „Alpha-Tier“, harmonieren würde, der 2010 den „Lohengrin“ herausbringt.

Nicht mehr hören kann man das Lamento über den Mangel an Spitzensängern. Dafür drängte in diesem Jahr die sogenannte zweite Reihe stark nach vorn. Zeichen setzten die rührigen Schwestern vor allem mit dem „Holländer“ für Kinder und mit Public Viewing als Dauereinrichtung.

Auch in Kleinigkeiten erlebt man die lenkende Hand. So gibt’s jetzt Programmbücher und Einführungsvorträge der Festspiel-Dramaturgen. Und die als „Blaue Mädchen“ bekannten Türsteherinnen sind neu eingekleidet, lichtgrau mit brombeerfarbenen Schals, die Farbe des zweiten Neu-Bayreuths.

Nicht blicken lässt sich der „Alte“, was ein gutes Zeichen ist. Wolfgang Wagner, der am 30. August seinen 90. Geburtstag feiert, sitzt daheim und sagt sich wahrscheinlich: „S’ passt scho...“

Quelle: op-online.de

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