Begegnungen mit einer Anti-Ikone

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Roni Horns Porträt von Isabelle Huppert am Holbeinsteig in Frankfurt.

Frankfurt - Die Schirn Kunsthalle widmet der amerikanischen Fotografin Roni Horn eine Ausstellung. Deren Arbeiten sind aber nicht nur in den Schirn-Rotunden, sondern auch im Frankfurter Stadtgebiet zu sehen. Von Eugen El 

Auf Plakatwänden, in Straßenbahnen und U-Bahnen, überall in Frankfurt sieht man seit einiger Zeit ein weibliches Gesicht vor weißem Hintergrund. Es wirkt überfordert und angespannt. Wofür will es werben, was will es uns sagen? Keinerlei Erläuterung ist auf den Fotos zu finden, so dass man irritiert, fragend zurückbleibt. Manche erkennen immerhin, dass es sich um die französische Film- und Theaterschauspielerin Isabelle Huppert („Die Klavierspielerin“) handelt. Andere nehmen das Gesicht nur flüchtig wahr und vergessen es schnell wieder.

Was es mit diesen Bildern auf sich hat, erfährt man nun in der Schirn Kunsthalle. Die Ausstellung „Portrait of an Image“ zeigt die gleichnamige, zweiteilige Werkserie der 1955 geborenen, in New York lebenden Künstlerin Roni Horn. Für diese Serie hat Horn im Jahr 2005 Isabelle Huppert gebeten, sich in einige ihrer früheren Rollen hineinzuversetzen. Die dabei entstandenen Fotografien sind, in zwanzig Sequenzen von jeweils fünf Bildern aufgeteilt, in den beiden Rotunden der Schirn zu sehen. Es sind eindringliche Charakterstudien, die einerseits einen gemeinsamen Kern haben und doch auch unterschiedliche Nuancen zeigen. Wichtig sind dabei die Übergänge, die sich im Nebeneinander der Fotografien ergeben. In Horns Werk, das auch Zeichnungen und Skulpturen umfasst, spielen Serien und Ähnlichkeiten innerhalb dieser eine prägnante Rolle. So hat die Künstlerin im Jahr 2000 eine Reihe von fotografischen Ansichten des Wassers der Themse angefertigt.

In einem Brief an Isabelle Huppert bezeichnet Roni Horn die Schauspielerin als „Anti-Ikone“. Auf die in der Schirn Kunsthalle gezeigten Arbeiten trifft dies unbedingt zu. Durch ihre Serialität verlieren die Fotografien jegliche ikonische Wirkung. Anders verhält es sich mit den Bildern, die im Rahmen von „Portrait of an Image“ im öffentlichen Raum zu sehen sind. Dort hängen sie einzeln. Unfreiwillig setzt man sie in Bezug zu den Schönheitsversprechen der Werbung oder zu den vertrauenserweckenden Politikerfotos auf Wahlplakaten. So zerfällt das Ausstellungsprojekt in zwei Teile. Im Stadtraum findet eine beiläufige Begegnung mit den Bildern statt, während in der Schirn eine abgesicherte und informierte Kunstbetrachtung möglich ist. Am Ende bekommt man zwar einen Eindruck von der künstlerischen Intensität von Roni Horns Arbeiten. Es wird aber nur einer kleiner Ausschnitt ihres umfangreichen Werks gezeigt, das man gerne in seiner ganzen Komplexität kennengelernt hätte.

Quelle: op-online.de

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