Berliner Kodderschnauze

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Im Mittelpunkt nahezu sämtlicher Episoden, die Barth gern mit der Floskel „Wirklich passiert. Wahre Geschichte“ einleitet, steht jene Freundin, die trotz klischeehaften Verhaltens angeblich studiert hat.

Frankfurt - Erfolg rechtfertigt ja so manches. Nicht nur in künstlerischen Berufen. Da bleibt es einerlei, ob die Meriten selbst verdient sind oder doch aus fremder Feder stammen. Mario Barth ist so ein Fall. Von Ferdinand Rathke

2001 feierte sein Bühnenprogramm „Männer sind Schweine, Frauen aber auch!“ Premiere. Aufmerksamen Gemütern fiel schon damals die geistige Nähe zum Broadway-Monodrama „Defending The Caveman“ auf. Kreist das in 15 Sprachen und in mehr als 30 Ländern auf den Theaterspielplänen zu findende Stück doch um Barths Lieblingsthema: Missverständnisse zwischen Mann und Frau. Derzeit tourt Barth mit drittem Konzept „Männer sind peinlich, Frauen manchmal auch!“ durch Deutschlands Großarenen. An gleich drei Tagen hintereinander gastiert er in der mit jeweils rund 10.000 Zuschauern seit Monaten ausverkauften Frankfurter Festhalle.

Sein Erfolgsschema variiert er nur minimal, wenn er gleich zum pompösen Auftakt mit Feuer und Rauch die Behauptung aufstellt: „Frauen musst du nicht verstehen, die musst du lieben." Ein fast philosophischer Grundsatz, der auf Anhieb kollektive Heiterkeit erzeugt, die nur durch eine zu lang geratene Pause unterbrochen wird.

Kalauer als Geschichten verkauft

Im Mittelpunkt nahezu sämtlicher Episoden, die Barth gern mit der Floskel „Wirklich passiert. Wahre Geschichte“ einleitet, steht jene Freundin, die trotz klischeehaften Verhaltens angeblich studiert hat. Ob vorhanden oder nicht, das Zwerchfell wird permanent überbeansprucht, wenn die Holde im Urlaub zu viel Gepäck dabei hat, sich die halbe Wohnungseinrichtung in ihrer Handtasche befindet und Benzin statt Diesel tankt. Der perfekte Comedian für Deutschlands schweigende Mehrheit, die Westerwelle hinter sich weiß, in der Hartz-IV-Debatte.

Ohne Spontaneität spult Barth seinen Text herunter. Zerdehnt jedes Episödchen auf epische Länge, wenn er markante Stellen mehrmals wiederholt und mit jedem Satz lauter wird. Mit großzügiger Gestik, spontan wirkendem Gekichere verkauft er Kalauer als Geschichten aus dem Stegreif. Barth hat erkannt, dass sich mit Tabubruch und einer polarisierenden Kunstfigur Geld verdienen lässt. 2011 kommt er in die Commerzbank Arena.

Quelle: op-online.de

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