Keiner will Gottschalks Job machen

Frankfurt - Für Bernd Gieseking hätte 2011 im April enden können: Hatten ihm doch Fukushima, der Rücktritt Guttenbergs und andere Ereignisse genug Stoff beschert. Indes muss der Kabarettist auch den Rest des Jahres zum gewohnt zynischen Rückblick verarbeiten. Von Maren Cornils

„Ab dafür!“ heißt das Ergebnis, das der Westfale in der Frankfurter Käs zweimal vor ausverkauften Reihen präsentiert hat.

„Putin geht tauchen, zu Guttenberg geht baden, und Wulff steht das Wasser bis zum Hals“, bringt Gieseking seine Bilanz auf den Punkt, um sich genüsslich all den Affären, Skandalen und Ereignissen zu widmen, die 2011 zu bieten hatte. Dazu zählt die Griechenland-Krise: „Schlechter als Griechenland sind eigentlich nur die Börse und die FDP dran. Griechenland und die Börse würde man gern retten.“ Eine Erklärung für das hellenische Debakel liefert der Komiker gleich mit: „Würden uns griechische Wirte nicht nach dem Essen einen Ouzo ausgeben, wer weiß, ob es dem Land nicht besser ginge?“

Nach dem Motto „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen“ legt Gieseking nach und analysiert messerscharf: „Die Lage ist undurchsichtig – momentan weiß ich nicht einmal, ob ich zur Pause noch einen Bundespräsidenten habe.“ Nicht nur Christian Wulff, auch „Bild“ gerät in die Schusslinie; zu schweigen vom Air-Berlin- und Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn: „Er wird dafür sorgen, dass sich das Buchungssystem verkompliziert und dass Flugzeuge mitten in der Luft stehen bleiben. Dafür wird unterwegs ein mobiler Eisverkäufer zusteigen.“ Eine Vision, die viele Lacher beschert.

Adelshochzeiten, Frauen-Fußball-WM, arabischer Frühling und Silvio-Berlusconi-Rücktritt – Gieseking schöpft aus dem Vollen. Sorgen bereitet die Frage, was aus „Wetten, dass..?“ wird. „Wir haben 2,4 Millionen Arbeitslose, aber niemand will den Job von Gottschalk machen?“, mokiert sich der gebürtige Mindener und hat schon sein nächstes Opfer ausgemacht – die Bank Hypo Real Estate, die er nach Blick in seinen Langenscheidt mit „Unterhalb tatsächlichen Besitzes“ übersetzt. Gieseking nimmt sich jedoch nicht nur Abzocker, Witzfiguren und Möchtegernstars vor, sondern auch Zeit, politische Verdienste zu würdigen: „Gut, dass Guttenberg erst im März aufgeflogen ist. Sonst hätten wir jetzt noch die Wehrpflicht...“

„Ab dafür!“ ist intelligente Satire mit einem bestens aufgelegten professionellen Jahresrückblicker, der sein Publikum mit viel Witz und manch nachdenklich stimmender These mitnimmt auf eine Reise durch ein spannendes Jahr.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © John Long/pixelio.de

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