Beschauliches Bayreuth

Stephanie Friede als Venus und Lars Clevemann als Titelheld in Sebastian Baumgartens „Tannhäuser“

Bayreuth - Ruhige Tage am Grünen Hügel. Wäre da nicht der Aufreger „Tannhäuser“, einzige Neuinszenierung in einer kurzen Premierenwoche der 100. Bayreuther Festspiele. Schließlich gibt es den neuen „Ring“ erst 2013, wenn Richard Wagners 200. Geburtstag gefeiert wird. Von Klaus Ackermann

Die populäre Romantische Oper in einer Biogasanlage mit manch fehlgeleitetem Energiefluss: Mit diesem Husarenstreich hat der Berliner Regisseur Sebastian Baumgarten auch Wohlmeinende vergrätzt.

Geschlossenen Auges konnte man dennoch Wagner erleben, vom Neuling am Dirigierpult, Thomas Hengelbrock, nach anfänglicher Spröde auf klangliche Temperatur gebracht. Weitgehend akzeptiert sind dagegen die Ratten des Herrn Neuenfels im „Lohengrin“. Uneingeschränkt beifällig aufgenommen: Herheims „Parsifal“ erlebte einen neuen Titelhelden. Doch Simon O‘Neill zollte am Ende stimmlich der schwierigen Rolle Tribut. Sein Vorgänger dagegen ist uneingeschränkter Star der Saison, Klaus Florian Vogt, auch als Lohengrin eine tenorale Macht.

Nach längerer Pause wurde Marthalers gegen den Strich gebürsteter „Tristan“ wieder aufgenommen, aus dem allein Titelheld Robert Dean Smith ragte. Letztmals gibt es Katharina Wagners „Meistersinger“, die nur eingefleischte Wagnerianer noch verschrecken. Als „Meistersinger“-Dirigent profilierte sich aufs Neue Frankfurts Generalmusikdirektor Sebastian Weigle, den man sicher bald wieder am Grünen Hügel erleben wird. Weigle trifft dort gute Bekannte, allein sieben Musiker entstammen „seinem“ Opernhaus- und Museumsorchester. Ihrer fünf vom hr-Sinfonieorchester – Frankfurter Musiker sind in Bayreuth gefragt.

Dass es in diesem Jahr noch Karten auf dem freien Markt gibt, ist vielleicht der überwiegend schlechten Presse des „Tannhäuser“ geschuldet. Den Festspiel-Managerinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier sollte dies zu denken geben. Die berühmte „Werkstatt Bayreuth“ wird’s wohl kaum richten können. Gespannt sein darf man schon jetzt auf den „Jubiläums-Ring“ 2013. Dann tritt der Alt-Brechtianer Frank Castorf ins Regie-Geschirr, einer von dem „Tannhäuser“-Baumgarten viel gelernt hat …

Quelle: op-online.de

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