Christoph Mehler inszeniert „Hautnah“ am Frankfurter Schauspiel

Beschwerliche Liebschaften

Gefangen m Reigen der Gefühle: Marc Oliver Schulze als Dan und Sandra Gerling als Alice

Männer und Frauen passen nicht zueinander. Zermürbende Routine spart der britische Autor Patrick Marber bei den großstädtischen Liebenden in seinem 1997 geschriebenen Stück „Hautnah“ aus. Ihn interessieren Anfang und Ende von Beziehungen und der Geschlechterkampf.

Zwei Frauen und zwei Männer, das ergibt einen Reigen aus Liebe und Hass, Anziehung und Abstoßung und natürlich Konkurrenz. Dan ist mit Alice liiert, lernt aber bei einem Fototermin Anna kennen und verliebt sich in sie. Anna kommt jedoch bald darauf mit Larry zusammen, betrügt diesen jedoch mit Dan und gesteht es. Die ursprünglichen Paare trennen sich, Anna und Dan scheinen eine Zeit lang glücklich zu sein. Larry indes gelingt es, Alice zu verführen.

Auch wenn es um Gefühle und Verführung geht und es der Titel suggeriert, über Sex wird vor allem geredet. Wirkliche Nähe ist nirgends, und so hat Bühnenbildnerin Nehle Balkhausen das Beziehungsdrama in eine kalte Welt aus Beton verfrachtet. In dieser grauen Leere mit der Anmutung einer Tiefgarage, setzt Christoph Mehler seine vier Schauspieler einander aus. In dieser unwirtlichen Kulisse zeigen Regie und Ensemble sehr schlüssig, dass sich der Geschlechterkampf nur scheinbar zum Sex hin verlagert hat. Versuchungen gibt es weiterhin. Und auch die bange Frage, ob der Konkurrent im Bett besser war. Vor allem aber gibt es verletzte Egos, die auf Heilung in einer neuen Beziehung hoffen und scheitern.

Sandra Gerling spielt die Stripperin Alice zart und verletzlich und lässt ihrer Figur bei all ihrer Liebessehnsucht doch ein Geheimnis. Claude de Demo ist eine nur an der Oberfläche kühle und scheinbar unnahbare Fotografin Anna. Unter ihrer nach Ehrgeiz und Professionalität aussehenden Oberfläche schlummern Emotionen und Sehnsüchte. Der eher romantisch veranlagte Journalist und verhinderte Romancier Dan wird von Marc Oliver Schulze gespielt, der sehr glaubhaft ein ehrliches emotionales Hin und Her zwischen den beiden Frauen zeigt. Sascha Nathan spielt den scheinbar nüchternen Arzt Larry, der Probleme mit Sex und auch einer Spur Zynismus zu betäuben versucht.

Regisseur und Schauspieler nehmen die Figuren wunderbar ernst, entblößen sich emotional und loten Ambivalenzen intensiv aus. Begeisterter Applaus für eine aufwühlende Inszenierung in der Komik und Tragik dicht beieinander liegen. ASTRID KRAUSE

Weitere Aufführungen am 19., 29., 30. Oktober sowie am 14., 15., 22. November. Karten unter z 069/1340400.

Quelle: op-online.de

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