Wie die Bilder das Laufen lernten

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Der Cinématographe Lumière ist ein echtes Glanzstück.

Frankfurt - Neubau, Umbau, Neuerfindung: Für das gestern nach zweijähriger Umgestaltung wieder eröffnete Deutsche Filmmuseum fand Frankfurts Ex-Kulturdezernent Hilmar Hoffmann gleich drei Wörter. Letzteres trifft es wohl am besten. Von Markus Terharn

Zwar wird der kundige Besucher manches Exponat erkennen – nicht aber die Anordnung.

Die Dauerausstellung gliedert sich in die Abteilungen „Filmisches Sehen“ und „Filmisches Erzählen“. Im ersten Stock schreiten Besucher den langen Weg zur ersten Filmvorführung der Brüder Lumière anno 1895 ab. Bis die Bilder laufen lernten, gab es eine reiche Fülle technischer Apparaturen, deren Zweck und Funktionsweise erst die Beschilderung (deutsch und englisch) verständlich macht. Da sind Guckkasten, Panorama, Kaleidoskop, Daumenkino, Camera Obscura, Laterna Magica, Nassplatten-Holzkamera und am Ende des Rundgangs der Lumièresche Cinématographe. In einem Kino-Kabinett laufen kurze Filme aus der Frühzeit: Unvermittelt folgt auf die Schlangentänzerin „Seine Majestät Kaiser Wilhelm II. in Stettin“.

Im Eingang zum Saal auf der zweiten Etage verdeutlichen Filmbeispiele das Zusammenwirken von Kamera, Schnitt, Text, Geräusch, Musik, Spezialeffekten, Maske, Kostüm und Schauspiel. Wer die an den Wänden aufgereihten Schaustücke betrachtet, hat manch Aha-Erlebnis, wenn er sich etwa über den gemalten Entwurf für Rhett Butlers Haus beugt, während (zufällig zeitgleich) Scarletts Schlussworte und die Abspannmusik aus „Vom Winde verweht“ erklingen.

Spektakuläre Blickfänge in den Vitrinen sind H. R. Gigers Alien-Kostüm für den Stuntman, Darth Vaders schwarzer Helm und Romy Schneiders Sissi-Robe. Der Oscar, den Maximilian Schell für seine Darstellung in „Das Urteil von Nürnberg“ einheimste, fehlt so wenig wie eine Blechtrommel aus Volker Schlöndorffs Grass-Adaption – mit sichtbaren Gebrauchsspuren.

Vor grünem Trick-Hintergrund, einer sogenannten Greenscreenpassage, können sich Freiwillige filmen lassen, wie ihnen eine Monsterspinne auflauert oder sie in einen Abgrund springen. Oder am Regler ausprobieren, wie eine veränderte Abmischung die Tonspur des Kultstreifens „Matrix“ beeinflusst.

An den Wänden ist zu sehen, wie sich Schauspieler Otto Gebühr in Friedrich den Großen, Helge Schneider in Adolf Hitler oder Dustin Hoffman in den Handlungsreisenden verwandelt. Es gibt Autogrammkarten von Emil Jannings oder Heinz Rühmann, Meryl Streep oder Leonardo DiCaprio, Johnny Depp oder „Brangelina“.

Das Handwerk vertreten Klappe, Kameras und Filmband in Gold für den besten Schnitt. Die Bildgestaltung zu Schlöndorffs „Homo Faber“, das Brückenmodell für Tom Tykwers „Das Parfüm“ oder die Storyboards von Alfred Hitchcocks „Psycho“ kann jeder mit den Bildern in seinem Kopf vergleichen.

Im dritten Stock ist die erste Sonderausstellung eröffnet. Starfotograf Jim Rakete hat unter dem bei Wim Wenders entlehnten Motto „Stand der Dinge“ 100 Größen des deutschen Films in Großformate gebannt; mit Accessoires aus einem ihrer Werke, die teils im Original gezeigt werden. Da trägt Anna Maria Mühe die Fellkappe aus „Novemberkind“, Götz George die berühmte Schimanski-Jacke, Jeanette Hain hockt als „Die Cellistin“ nackt hinter ihrem Instrument. Regisseurin Caroline Link präsentiert ihren Oscar für „Nirgendwo in Afrika“, Kollege Wolfgang Becker hält die goldene Büste aus „Good bye, Lenin!“. Und Katja Flint, in Jeans und Lederjacke ganz privat, wirft den Zylinder von „Marlene“ in die Luft: Magisch!

Quelle: op-online.de

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