Bilder starker Frauen

Offenbach - Berückende Frauenrollen aus großer Opernliteratur präsentierte die Konzertreihe „Academia Sancta Maria“ in der Offenbacher Marienkirche. Von Reinhold Gries

Es war nicht selbstverständlich, dass die in Offenbach lebende Japanerin Hiromi Mori mit anderen vertragsmäßig gebundenen Sängern wie der Sopranistin Birgit Treschau und dem aufstrebenden Tenor Sung-Ho Kim auf der Kirchenbühne stehen durfte, aufs Feinste begleitet vom australischen Dirigenten Michael Clark am Piano. Umso dankbarer wurden die Bravourstücke aufgenommen. Heldentenor Kim allerdings war die Fernando-Arie „Un‘aura amorosa“ aus Mozarts Oper „Cosi fan tutte“ nicht genau auf stimmgewaltigen Leib geschneidert.

Seine Darstellung des Odems der Liebe hätte zärtlicher sein können, Umso begeisternder seine folgenden Darbietungen: die dämonische Rachearie „Ah, la paterna mano“ aus Verdis „Macbeth“ mit großem Finale Die schwärmerische Rodolfo-Arie „Quando le sere al placido“ aus „Luisa Miller“, seine Duette und Terzette. Von Treschaus Elisabeth-Arie angefeuert, startete er als Don Carlos zu stimmlichem Höhenflug. Im finalen Troubadour-Terzett mit Treschau und Mori lieferte er beeindruckenden Belcanto.

Vorwiegend sollte es allerdings um die Darstellung von Frauenbildern gehen, da gehören Männer halt dazu. Ganz Frau war dann Treschau in Elisabeths „Dich teure Halle, grüß ich wieder“. Freudenrufe wechselten mit herrlichem Wagner-Melos und dramatischen Aufwallungen. Meisterlich auch ihre brodelnde Darstellung der anderen Elisabeth-Rolle im „Don Carlos“, traumhaft ihre „Tosca“-Zugabe, die Appetit auf mehr machte.

Das lieferte darstellerisch wie stimmlich Hiromi Mori. bei Wilhelm Kienzls wehmütiger Magdalenen-Arie „Oh, schöne Jugendtage“ aus wagnerianisch klingendem „Evangelimann“ oder beim bedrohlichen „Amour! Viens aider ma faiblesse“, mit dem Saint-Saëns' Dalila sich auf Verführung und Mord einschwört. Gekonnt untermalte Clarks pianistisches Donnergrollen und Säuseln das Unvermeidliche der Tragödie. Das gefühlvolle Temperamentsbündel Mori verlieh der Azucena-Arie „Stride la vampa“ loderndes Feuer, ohne schönes Maß zu verlieren. Auch die herrliche Akustik ließ vergessen, dass man gern mehr aus der Frankfurter Oper gehört hätte – mit Orchester. Dafür hat man auf der anderen Seite des Mains nicht solche „Kirchenmusik“.

Quelle: op-online.de

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