Bildhauerei im Dutzend

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Christiane Erdmann, Menschen, Holz, farbig gefasst.

Mörfelden war schon immer etwas anders. Das merkt man auch am Bürgerhaus im Bauhausstil der 20er Jahre – und am Bürgerpark dahinter, seit 15 Jahren Spielraum moderner Kunst. Zum „12. Skulpturenpark“ hat Kurator Otto Schaffner zwölf Künstlerinnen beziehungsweise Gruppen zum Wettbewerb eingeladen, unter dem Motto „Starke Frauen hat das Land“. Von Reinhold Gries

Sehr stark ist, was Bildhauerinnen wie die Berliner Städelschülerin Wanda Pratschke, die Darmstädter Sezessionistin Sigrid Siegele, Kunstpreisträgerin Ortrud Sturm und die Hamburgerin Gisela Buchholz auf den Rasen des Parks setzen. Pratschkes voluminöser weiblicher Akt aus Gips strahlt harmonische Ausgewogenheit klassisch moderner Kunst aus, verzichtet zugunsten klarer Form auf Details und individuelles Porträt. Siegeles aus Industrieziegelsteinen geformte, gebrannte und gemauerte Stelen setzen von unten kubisch kantig an, kommen nach oben hin organisch in Fluss. Alte Verbindung zwischen Architektur und Bildhauerei wird wiederhergestellt. Sturms gewürfelte und gequaderte Holztürme verbinden Elementares mit Organischem. Buchholz bringt in rot lackierten Figuren Stahl zum Tanzen, überwindet die Starrheit des Materials.

Während die „natürlich künstliche“ Blumeninstallation der Frauengruppe „Treasure“ eher durch Charme als formale Strenge bezaubert, trifft der Betrachter ansonsten auf konsequent komponierte Arbeiten. Mit souveränem Formgefühl sägt Christiane Erdmann sich wiegende Vierkantsäulen aus Baumstämmen und schält aus deren Enden kleine Figuren heraus. Ihrem Stelenwald gegenüber hat sie grob behauene, farbig gefasste Menschen aufgestellt, lebensgroß und eindrucksvoll.

Eichen, Mammutbäume und Obsthölzer sind auch das Element von Sieglinde Gros. In ihren aus dem Block geschnitzten, überschlanken Figurationen steht der Mensch im Mittelpunkt. Wie aus Holz geschnitten wirken die rhythmisch platzierten „Orangen“-Stelen Christine Hachs aus gebranntem Ton.

„12. Skulpturenpark – Starke Frauen hat das Land“ bis 13. September in Mörfelden hinter dem Bürgerhaus.

Plan liegt dagegen die Installation „the carpet of memories“ von Romana Menze-Kuhn, ein zehn Meter langes und zwei Meter breites, schachbrettartig gelegtes Gebilde aus Stahlplatten, schwarzen Kristallsandquadraten und Fotos mit Kirchenleuchtern. Sie will damit ebenso an die Vergangenheit des Parks als Friedhof erinnern wie Kathrin Gordan mit drei Skulpturen aus Grünsandstein, die im Erdreich zu versinken scheinen. Im Sommerwind wiegen sich weiße Gewebebahnen von Gisela Hofmann. Aus der Entfernung fast virtuell wirkt Nicola Falleys raumgreifende Skulptur „Sänfte II“, weiße Linien aus Vierkantstahl zwischen alte Bäume setzend.

Quelle: op-online.de

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