Bodecker und Neander bei den Burgfestspielen Dreieichenhain

Bewegende Geschichten kommen ohne Worte aus

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Poeten der Pantomime: Bodecker und Neander.

Dreieichenhain - Dass man Geschichten unspektakulär, aber nicht weniger fesselnd, ohne Worte erzählen kann, beweisen Alexander Neander und Wolfram von Bodecker in ihrem Pantomime-Programm „Dejà vu“, mit dem das Duo in der Dreieichenhainer Burg gastierte. Von Maren Cornils 

Gelernt haben die beiden diese seltene Kunst beim inzwischen verstorbenen Altmeister Marcel Marceau, mit dem sie jahrelang um die Welt tourten und der ihnen beibrachte, jede noch so kleine Gefühlregung allein kraft Mimik und Gestik zu transportieren. Das mag altmodisch klingen, hat aber einen ganz eigenen Charme – und auch einen wesentlich größeren Fankreis, als es vielleicht zu erwarten gewesen wäre: So sind die Reihen in der Burgarena dem fast herbstlichen Wetter zum Trotz gut besetzt. Dass Ali Neander als Partner von Sabine Fischmann in der Rhein-Main-Region kein Unbekannter ist, spielt dabei natürlich auch eine Rolle.

Eine schwarze Wand, ein Schemel, eine Handvoll Requisiten – mehr braucht es nicht, damit die beiden Magier der Mimik ihr zauberhaftes Spiel treiben können. In „Der kleine Vogel“ sind sie erst Fremde, um dann Rivalen und schließlich dicke Freunde zu werden, während das Duo im „Caféhaus“ alle Register seines Könnens zieht und beweist: Wer Pantomime für antiquiert hält, hat keine Ahnung.

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Wortloses Theater kann durchaus action- und temporeich daherkommen. Da kabbeln sich Bedienung und Gast, kämpfen Zwerg und Riese mit immer härteren Bandagen zu den martialischen Klängen von „Mission Impossible“, und wenn Wolfram von Bodecker ein ums andere Mal hinter der als Theke dienenden schwarzen Wand eine nicht vorhandene Treppe hinunter zu trippeln scheint, um dann auf der anderen Seite per imaginärer Rolltreppe wieder hinauf befördert zu werden, dann amüsiert sich das Publikum hörbar.

Relativ lang sind die Sequenzen, Langeweile kommt dennoch keine Sekunde auf. Im Gegenteil: Je mehr der Zuschauer sich auf dieses extrem ausdrucksstarke Spiel einlässt, desto mehr verzaubert es ihn. Natürlich kommt auch das Emotionale bei dem perfekt eingespielten Duo nicht zu kurz. Da darf Bodecker in einem beeindruckenden Solo zu Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ als liebeskranker Antonio die ferne Geliebte anschmachten, unerhört zum Schneemann erstarren und schließlich nach sturmgepeitschtem Finale ihr Herz erobert. Grandios!

Quelle: op-online.de

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