Bomben wie große Brüste

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Der chinesische Künstler Yin Xinzhui zeigt Kiew-Acrylgemälde nach Fotos.

Wo vor 60 Jahren Blindgänger und Bombenteile lagen, herrscht wieder „Bombenstimmung“. Dafür sorgt der Bildhauer, Maler und Objektkünstler Hjü Neumann (Jahrgang 1946) in der ehemaligen Schleifmaschinenfabrik Meier & Schmidt Offenbach (MSO). Von Reinhold Gries

Aus geräumiger Industriehalle am Odenwaldring hat der Dietzenbacher mit Tochter Julia eine Kunststätte gemacht, die vor dem Kesselhaus 3 beginnt. Auf wucherndem Kraut wachsen kinetische Objekte aus zusammengeschweißten rostigen Eisenteilen neben charmanten Menschwesen in der Art surrealer Skulpturen Miros oder Tinguelys.

Hjü Neumann stellt in der ehemaligen Maschinenhalle der Offenbacher Firma MSO seine Skulpturen aus Metallteilen aus.

Wo vor 60 Jahren Blindgänger und Bombenteile lagen, herrscht wieder „Bombenstimmung“. Dafür sorgt der Bildhauer, Maler und Objektkünstler Hjü Neumann (Jahrgang 1946) in der ehemaligen Schleifmaschinenfabrik Meier & Schmidt Offenbach (MSO). Aus geräumiger Industriehalle am Odenwaldring hat der Dietzenbacher mit Tochter Julia eine Kunststätte gemacht, die vor dem Kesselhaus 3 beginnt. Auf wucherndem Kraut wachsen kinetische Objekte aus zusammengeschweißten rostigen Eisenteilen neben charmanten Menschwesen in der Art surrealer Skulpturen Miros oder Tinguelys.

Neumanns haben sich mit dem Gelände und dessen Hinterlassenschaften befasst, auch im Sinne von Picassos „Ich suche nicht, ich finde“. Fundstücke und Fabrikinstallationen, von Julia Neumann per Fotoserie aufgeblockt, passen zu dem, was ihr Vater auf Schrottplätzen fand. Wo Schleifmaschinen montiert wurden, hat er Metallteile zu eleganten, bedrohlichen oder skurrilen Skulpturen montiert, gesägt, gebohrt.

Zwei konisch geformte Fliegerbombenteile, auf Stromschienen geschweißt, sehen aus wie große Brüste, die hin und her wogen. Eine Axt scheint einen Hammer spalten zu wollen. „Bombenstimmung“ verbreiten ausgebrannte Bombenfindlinge, Granatreste, Metallstangen und Kabelbinder. Neumann dazu: „Ich bin Sammler. Die Teile füge ich zu Werken zusammen.“

Das klingt untertrieben, wenn man die auf Eisenbahnschwellen montierten Werke betrachtet, bei denen Gewichte und Metallscheiben um Balance kämpfen, Kugelventile wie Planeten durch den Raum schweben und Spiraliges um Höhe ringt. Auf den Boden gepinselte Ordnungsnummern scheinen vor der Werksuhr die Zeitläufte anzuzählen.

„Bombenstimmung“ und „Chambres séparées“ im Kesselhaus 3, Odenwaldring 38, zu den Offenbacher Kunstansichten: 13. Mai, 19.30 bis 22 Uhr, 14. Mai, 15 bis 21 Uhr, 15. Mai, 12 bis 20 Uhr

Neumann verpackt politische und soziale Botschaften. Und ermöglicht dem chinesischen Gastkünstler Yin Xinzhui die Deutschland-Premiere großformatiger Acrylgemälde, entwickelt nach Kiew-Fotos aus der Internetwolke des Offenbacher Förderers Michael Peters. Joseph Beuys hätte Freude an solch sozialer Plastik, in der sich Menschen aus aller Welt per Kommunikation und Kunst verbinden und weiterentwickeln.

Das ist auch an auf Paletten montierten Installationen Julia Neumanns zu sehen. „Chambres séparées“ nennt sie ihr Raumkonzept aus überflüssig gewordenen, weggeworfenen Objekten. In „geordnetem Ab- und Aufbruch“ stapelt die Kommunikationsdesignerin genormte Behälter, Kisten und Koffer zu Großskulpturen. Auf gedrängter Fläche finden Teppiche, Fernsehgeräte, Maschinentreppe und Haushaltsgeräte neuen Kontext als Dokumente der Gegenwart und als Raumstillleben. Wie dadaistische „Objets trouvés“ werfen sie die Frage auf: Was bleibt?

Quelle: op-online.de

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