Ein Brandstifter der Kunst

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Tabuloser Humor: Dominik Meyer erzählt unter anderem die „Legende vom goldenen Schäufelchen“.

Auch in der Kunst geschehen Zeichen und Wunder. So blickt zumindest Dominik Meyer auf seine Ausstellung in der Offenbacher Galerie Thomas Hühsam. Wobei es, streng genommen, „Neue Zeichen – Alte Wunder“ sind, die der Absolvent der Dresdener Hochschule für Bildende Kunst, zurzeit Meisterschüler bei Ralf Kerbach, in Offenbach ausstellen lässt. Von CarstenMüller

Es handelt sich um Arbeiten aus den beiden vergangenen Jahren sowie bisher nicht gezeigte Grafiken und Malereien, die das Publikum spalten werden. In Bewunderer einer tabulosen, humorvollen Gesellschaftskritik und Gegner allzu drastischer Bildaussagen, auch wenn diese in einer äußerst traditionsbewussten Manier auf die Leinwand gebracht werden.

Dekorativ sind Meyers Werke mitnichten, obwohl sie mit Versatzstücken einer spießigen Gebrauchskunst spielt, wie wir sie als Naturpanoramen nebst röhrendem Hirsch aus den Wohnzimmern unserer kleinbürgerlichen Großeltern kennen. Doch ist die in gedeckten, mitunter trüben Acryl- und Öl-Farben detailreich und gekonnt beschriebene Welt in vielerlei Hinsicht auf den Kopf gestellt – und manch bekanntes Motiv erscheint in völlig neuem Zusammenhang.

In der großformatigen Reihe „Das deutsche Tier grüßt seinen Wald“ beispielsweise posiert eine Taube im taubenblauen Jägerwams mit umgehängtem Gewehr, den Krallenfuß auf einem Totenschädel, während sich über den Himmel ein schwarz-rot-goldener Regenbogen spannt. Nebenan haben sich Dürers betende Hände zum Daumendrücken entschlossen, als gelte es, der löchrigen Kickers-Abwehr beizustehen.

„Neue Zeichen – Alte Wunder“ noch bis 15. Januar in der Offenbacher Galerie Thomas Hühsam, Frankfurter Straße 61. Geöffnet: Montag bis Freitag von 15 bis 20 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Tel.:  069 810044.

„Die Legende vom goldenen Schäufelchen“ zeigt ein aus der Form geratenes Fabelwesen in delikater Pose auf mondbeschienener Blumenwiese. Pinocchio ist bei Dominik Meyer ein unglücklicher Holzkopf, dessen Nase wie ein Yedi-Leuchtschwert in Neonrosa hervorsticht. Rette sich, wer kann vor diesem Kunst-Brandstifter: Das Wolkenkuckucksheim steht in Flammen, selbst das Entdeckerschiff Santa Maria lässt der 1979 in Köln geborene Künstler lichterloh brennen. Und sein „Selbstporträt“ zeigt eine Taufkerze, von beiden Seiten angezündet.

Bemerkenswert ist eine Serie kleinformatiger Arbeiten namens „Sieben wehrhafte Bürger“, die Meyer mit Kaffee auf Papier aquarelliert hat. Eine Gestalt wehrt sich auf den Blättern mit verschiedenen Waffen gegen unsichtbare Gegner, es sind Studien eines absurden Abwehrkampfs. Die Grafiken zeigen nicht nur Meyers formale Könnerschaft, sondern auch seinen tiefgründigen Blick auf eine Welt, deren Überschaubarkeit tiefer Verunsicherung gewichen ist.

Quelle: op-online.de

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