Broadway-Klassiker „West Side Story“

Drama einer unmöglichen Liebe

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Und hoch das Bein: Die „Jets“ wollen zeigen, wer auf den „New York Streets“ das Sagen hat.

Frankfurt - Das Broadway-Musical „West Side Story“ ist wieder einmal in der Alten Oper zu sehen. Die Magie dieses meisterlichen Klassikers ist ungebrochen. Von Klaus Ackermann

Was im manischen deutschen Regietheater unmöglich wäre, machen die Amis vor: Auch die neue Produktion von Leonard Bernsteins „West Side Story“ gründet deutlich auf der Original-Inszenierung und –Choreografie von Jerome Robbins. Dessen Schüler Joey McKneely, der vom Meister selbst noch die Choreographie des 1957 uraufgeführten Musical-Klassikers lernte, hat den Broadway-Bestseller kraftvoll tänzerisch aufgemischt – und nach zehnjähriger Abstinenz der Alten Oper einen neuerlichen Bühnenerfolg beschert. Zumindest zur Premiere ging die knallharte Story um Romeo und Julia im Großstadt-Getto unter die Haut.

Bandenkrieg in den New Yorker Slums und darin eingebettet die Geschichte einer unmöglichen Liebe – das Drama wird von Bernsteins Musik noch forciert, die beim Routinier Donald Chan und seinem Allstar-Ensemble in besten Händen ist. Es darf gejazzt und gewalzert werden, die Musical-Evergreens sind wie immer zum klammheimlichen Mitsingen geeignet, und an den Nahtstellen schürt auch atonale Schräge die Spannung.

Gewaltbereitschaft der rivalisierenden Jugendbanden

Schon der Prolog zeigt die Gewaltbereitschaft der rivalisierenden Jugendbanden in New Yorks Upper West Side der 1950er Jahre, eine ungeheure Aggressivität aufbauend, die abendfüllend gegenwärtig ist. Bizeps und Testosteron gibt’s da im Überfluss, in athletischem Tanz angezeigt, der zu waghalsigen Stunts mutiert. In leicht angerosteten, einen Keil in die Szene treibenden Bühnenbauten, Klettergerüst und Fluchtweg gleichermaßen, herrscht Krieg, der auch vom zwielichtigen Polizeileutnant, dem brüllenden Cop und dem ängstlich vermittelnden „Glad Hand“ nicht verhindert werden kann.

Inmitten dieses Szenarios die unsterbliche Liebe zwischen Tony, der den „weißen“ Jets angehört und Maria, Schwester des Chefs der Sharks, Einwanderer aus Puerto Rico. Hochkarätige Balz ist Trumpf, Anthony Festas „Maria“ schlägt spontan in Bann, ein etwas eng tönender, auf Opern-Aura erpichter Tenor, der allerdings über eine feine Kopflage verfügt.

Stimmlich sind die Damen vorn

Stimmlich sind in diesem Musical die Damen vorn. Vor allem Jessica Soza als Maria, deren glasklarer Sopran ausdrucksstark Freud‘ und vor allem Leid besingt. „Tonight“ ist hier ein wahrer Trumpf, wie auch das „America“ der puertoricanischen Freundinnen, die in ihrer Hoffnung auf ein besseres Leben auch eine komödiantische Note einbringen, allen voran die souverän singende Anita (Penelope Armstead-Williams). Und hinreißend tanzen können sie alle, was in eine anrührende Traumsequenz von Liebe und Frieden zwischen den Fronten mündet – „Somewhere“ – irgendwo ist die hassfreie Zone.

Dann überstürzen sich die Ereignisse, statt eines Happy Ends gibt es drei Tote und eine untröstliche Maria, eine auch schauspielerisch intensive Szene, während die Musik zu versickern scheint … Sekunden der Erschütterung, ehe großer Premierenjubel losbricht. Die „West Side Story“ ist noch bis zum 11. Januar in der Alten Oper zu sehen. Spielfrei am 1. und am 7. Januar

Quelle: op-online.de

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