Tänzerisch dem Bösen begegnen

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Der dämonische Hexenmeister Isebrand ( Hartmut Schröder) will herrschen. Foto: Kögel

Hanau - Es sind die üppigen Bilder, die haften bleiben. Etwa die tanzenden Dämonen im finsteren Reich des Hexenmeisters. Von Christian Spindler

Oder der Blick in den Schlafsaal der Prinzessinnen, der sich auftut, wenn das raffinierte Bühnenbild (Tobias Wolffersdorf) mit dreh- und fahrbaren Elementen immer wieder neue Räume öffnet. Oder die drei großen Tänze als zentrale Motive der Inszenierung. Und es sind vor allem die schauspielerischen und gesanglichen Leistungen der gut zwei Dutzend Akteure, die haften bleiben bei dem Musical „Die zertanzten Schuhe“, mit dem nun die 28. Brüder-Grimm-Märchenfestspiele im Hanauer Amphitheater von Schloss Philippsruhe eröffnet wurden.

Zu den bleibenden Eindrücken gehören auch die opulenten Kostüme (Ulla Röhrs), seit jeher ein Markenzeichen des Hanauer Festivals, die den Prinzessinnen Anmut verleihen, den Hexenmeister zu einem düsteren Koloss machen und die Dämonen zu zotteligen Fantasy-Wesen.

Und die Geschichte? Die ist eher flüchtig, die Erzählung treibt mitunter dahin, ihr Nachhall währt nur kurz. Nun muss man zugestehen, dass die Hanauer Märchen-Macher mit der 133. Geschichte aus dem ersten Band der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen, der just vor 200 Jahren erstmals erschienen ist, ein weithin unbekanntes, fragmentarisch anmutendes und schwer zu dramatisierendes Märchen ausgewählt haben.

In der Festspiel-Version ist es die Geschichte von sieben Töchtern des Königs, die im unterirdischen Reich des Hexenmeisters Isebrand tanzen müssen, in der irrigen Meinung Prinzen zu erlösen. Tatsächlich saugt ihnen Isebrand die Lebenskraft aus, um seine ursprüngliche Macht zurückzubekommen und das Königreich Toxandrien zu beherrschen. Nach Verrat, Flucht, mit Magie sowie der Hilfe des ehemaligen Soldaten Ferdinand und der mit Zauberkraft ausgestatteten Amme Geertruida gelingt es, das Böse endlich zu besiegen.

Zwar hat der Wiener Autor Raphael Protiwenksy, der erstmals in Hanau tätig ist, dem Original-Märchen einige Figuren hinzugefügt und die Handlung erweitert. So recht in Gang kommen mag die Geschichte gleichwohl nicht. Zu oft wird gesungen oder erzählt, was passiert oder passiert ist, statt dass die Darsteller tatsächlich agieren dürfen. Auch fehlt der Musical-Inszenierung, bei der einmal mehr Marc Urquhart Regie führt, der zündende Funke, bisweilen die Leichtigkeit.

So sehr sich die guten Darsteller, allen voran Julia Steingaß, die als Prinzessin Ozeana stimmlich ebenso herausragt wie Maren Reimann als Geertruida, Festspiel-Neuling Lutz Thase als ehemaliger Soldat und einmal mehr Hartmut Schröder, der den dämonischen Hexenmeister gibt, so sehr sie sich auch mühen - die Längen können sie nicht wettmachen.

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Und die Musik? Trotz einer veritablen Ballade („Was wird sein?“) und durchaus gefälligen Melodien: der große Musical-Song, der sich in Kopf und Herz festsetzt und den Komponist Frank Moesner durchaus schon für die Hanauer Festspiele geschrieben hat, ist ihm diesmal für die „Zertanzten Schuhen“ nicht gelungen. Auch wenn das Hanauer Premierenpublikum mit Szenenapplaus nicht geizte und traditionsgemäß am Ende stehend Beifall klatschte: „Die zertanzten Schuhe“ sind zwar ein wahrer Augenschmaus und passable Musiktheater-Unterhaltung. Begeistern kann das Musical aber nicht.

Nächste Aufführungen am Pfingstmontag, 28. Mai, 14 und 17.30 Uhr. Die Festspiele dauern bis 15. Juli. Am 25. Mai läuft das Schauspiel „Die Schöne und das Biest“ an, am 2. Juni das Familienstück „Das tapfere Schneiderlein“.

Quelle: op-online.de

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