Buchstaben-Tanz und Zen-Quadrate

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Buchstaben fügt Gertraud Hasselbach zu dynamischen Skulpturen.

Offenbach „Mit klar gefügter Malerei und Geometrie will ich einen Kontrast zur Reizüberflutung setzen“, gibt Mato-Künstler und Feng Shui-Experte Alwin Dorok die Richtung seiner farbigen Maltableaus und Schwarz-Weiß-Arbeiten auf Papier vor. Von Reinhold Gries

In der Galerie Salon 13 des Bundes Offenbacher Künstler (BOK) wirken seine Quadrate der Serie „Jumping Square“ wie künstlerische Zen-Meditationen. Daneben aus weißem Japanpapier geschnittene Quadrate, die den schwarzen Grund überlagern und feine Grauwerte schaffen. Mathematische Gesetzmäßigkeiten gibt es auch bei spitz stehenden Malquadraten. Kalkuliert setzt Dorok Bogenschläge ein, planetenartige Farbflächen vom „Mutterquadrat“ absetzend. Man glaubt, Kosmisches vor sich zu haben.

„Alwin Dorok – Gertraud Hasselbach: Ich sehe es wie Du´s nicht siehst…“ bis 28. August in der Galerie Salon 13, Kaiserstr. 13, Offenbach, Geöffnet: Mittwoch und Sonntag von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung unter der Nummer 069/864385.

Farbklänge, magische bis grenzwertige, folgen jedoch nicht den Gesetzen von Komplementär- oder Simultankontrast. Auffällig ist die Häufung von Magentarot, entstanden aus überlagertem Blauviolett und Rotorange. Es kommt bei den Spektralfarben nicht vor. „Magenta hat keine eigene Wellenlänge, entsteht erst im Auge“, erklärt Dorok seine kreative Farbfeldforschung, bei der er auch mal einen Pinsel auf einem Akkuschrauber montiert, um pastoses Bienenwachs auf der Bildfläche kreiseln zu lassen: „Mit Malmaterie möchte ich in der Fläche Räumlichkeit erzeugen. Und zeigen, wie alles relativ ist, auch Farbharmonien, die zwischen Hell und Dunkel, Warm und Kalt eigenen Charakter gewinnen“.

Philosophischer Tiefgang steht auch hinter der Objektkunst der bei Bingen wohnenden Bildhauerin Gertraud Hasselbach, einer gelernten Fotografin und Goldschmiedin, die für skulpturale Erkundungen das Schweißen lernte. Auch ihre Raumkunst geht von klarem Grundgerüst aus: den Großbuchstaben ihres Namens.

Doroks meditative Quadrate.

In anderem Medium erinnert ihr Konzept ein wenig an Johann Sebastian Bachs komplexe Variationen und Fugen zum Thema B-A-C-H. Aber Hasselbach komponiert im Heute, tüftelt Verklappung, Verspiegelung und Verdrehung ihrer Versalien auch am Computer aus. Lesbarkeit ist keineswegs oberstes Gebot, wenn mit Scharnieren versehene Stahlblech-Modelle der Wandarbeit „A-R-T“ überraschendes Eigenleben gewinnen. Oder wenn sich futuristisch verzweigende Buchstabennetze zum gebrochenem Zuckerhut, einer Art fliegenden Untertasse, oder zu nordwärts fragmentiertem Buchstabenglobus formieren.

Hasselbach interessiert sich für Unendliches, geht dabei aber handfest zu Werke: „Gezeichnete Konstruktionspläne lasse ich in Alublech lasern, biege mir die flachen Formen über dem Knie zurecht und verschraube sie miteinander.“ Beim Betrachten der einzigartigen Raum- Kalligraphie ist man hin- und hergerissen zwischen Decodieren und Staunen. Alles ist in Fluss, ohne Anfang und Ende. „Abgeschlossenes langweilt mich, ich will bewegen, verändern und weiterentwickeln“, merkt Hasselbach an. Die Nervenbahnen ihrer Skulpturen bilden den Gegenpol zu Doroks ruhigen Farbfeldern und Formdeklinationen.

Quelle: op-online.de

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