Bühne frei für die Kunst

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195 kreisrunde Oberlichter versorgen die bis zu acht Meter hohen Gartenhallen mit natürlichem Licht und erstrecken sich als einprägsames Muster über die Gartenfläche.

Frankfurt - Die Maschinen sind längst abgezogen, nur ein paar Container stehen noch auf dem Gelände. Und während der Garten allmählich wieder seinem Namen gerecht wird, brütet einige Meter unter der Grasnarbe Kurator Martin Engler über die Präsentation der Gegenwartskunst in den neuen unterirdischen Ausstellungsräumen des Frankfurter Städelmuseums. Von Carsten Müller

Es ist wieder Ruhe eingekehrt, man darf sich auf die Kunst besinnen. „Wir haben jetzt die gesamte Geschichte der Kunst unter einem Dach vereint. Der Besucher kann eine Zeitspanne von fast 700 Jahren abschreiten und Entwicklungslinien vom Tafelbild bis in die Gegenwart nachvollziehen“, schwärmt Städel-Sprecher Axel Braun.

Wenn das Publikum am 25. und 26. Februar zu den Tagen der offenen Tür kommt, mit denen das umgebaute Städel wiedereröffnet wird, sollte es auf Überraschungen gefasst sein. Rund 300 Werke der Gegenwartskunst werden in den 3 000 Quadratmeter großen, mit charakteristischem Deckengewölbe und Oberlichtern strukturierten Gartenhallen der Architekten Schneider und Schumacher ausgestellt.

Arbeiten des Künstlers Michael Beutler sind schon montiert.

Es sind vor allem Neuzugänge der vergangenen fünf Jahre, darunter Werke von Neo Rauch, Andreas Gursky, Martin Kippenberger, Sigmar Polke, Yves Klein, Francis Bacon, Anselm Kiefer und Andy Warhol. Zum Teil stammen sie aus der Sammlung der Deutschen Bank, die 600 Arbeiten stiftete, zum Teil aus dem Besitz der DZ Bank, von der rund 220 wertvolle Fotografien kommen. Es sind aber auch Ankäufe und Schenkungen darunter, „die auf dem Kunstmarkt unbezahlbar gewesen wären“, erläutert Axel Braun. So habe ein Galeristen-Ehepaar aus Bonn dem Museum Teile seiner Sammlung vermacht. Aus dem süddeutschen Raum kämen beispielsweise drei Frühwerke von Georg Baselitz sowie ein Schönebeck-Gemälde. Wie sehr sich die Region ins Zeug legte, um den Städel-Bau zu finanzieren, zeigt das hohe Aufkommen an privaten Geldern für eine der ältesten Bürger- und Kulturstiftungen Deutschlands. Die zum Baubeginn im September 2009 gestartete Bürgerkampagne „Frankfurt baut das neue Städel!“ mobilisierte Mäzenaten aus Nah und Fern. Markantes Zeichen waren gelbe Gummistiefel, in denen Direktor Max Hollein ebenso posierte wie die Mannschaft des damaligen Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt.

Auf 200 Quadratmetern Fläche bietet der neue Museums-Shop Literatur, Fachzeitschriften sowie Produkte aus dem Städelmuseum.

Viele kleine Beträge gingen ein, aber auch manch großer „Brocken“: Allein fünf Einzelspenden brachten im Herbst vergangenen Jahres 2,35 Millionen Euro. Besonders ins Zeug legte sich der 1899 gegründete Städelsche Museums-Verein, der zu guter Letzt drei Millionen Euro locker machte, um die noch klaffende Lücke zur Vollfinanzierung zu schließen. Und auch die Frankfurter Stadtverordneten ließen sich nicht lumpen und schossen angesichts der beträchtlichen Kostensteigerung von ursprünglich geplanten 40 auf 52 Millionen Euro im Herbst 2011 noch einmal 3,4 Millionen Euro nach. Ein rundum erneuertes Städel präsentiert sich demnächst den Besuchern. Der bereits eröffnete Altbau ist nun behindertengerecht ausgestattet, die Präsentation der dort beheimateten Sammlungen „Alte Meister“ und „Klassische Moderne“ wurde nach aktuellen museumsdidaktischen Gesichtspunkten verändert, Beschriftungen, Farbleitsystem und Beleuchtung auf die Grundrisse der veränderten Ausstellungsräume zugeschnitten. Seitenkabinette vertiefen Aspekte der kunstgeschichtlichen Entwicklung.

Die Computerzeichnung des Architekturbüros Schneider und Schumacher gibt einen Ausblick auf die unterirdischen Gartenhallen.

Auch im Internet hat sich das Städel fein gemacht: Die Homepage wurde überarbeitet, das Museum ist mit seinen Kunst-Filmen auf Youtube vertreten, Die Städel-Bibliothek öffnet sich als Wissenszentrum künftig stärker für die Öffentlichkeit. Eine Buchhandlung neben dem Haupteingang hält 6 000 Buchtitel, Fachzeitschriften und Museums-Artikel zum Stöbern und Beute machen bereit. Neuerwerbungen kann man in aller Ruhe im benachbarten Café begutachten. Jede Abteilung entspreche nun den Anforderungen an ein zeitgemäßes Museum, meint Axel Braun stolz. „Wir haben einen der größten Sprünge überhaupt gemacht.“ Wer mag da widersprechen?

Am 25. und 26. Februar ist das Städelmuseum bei freiem Eintritt von 10 bis 21 Uhr geöffnet. In der Woche darauf ist ein Symposium zu Architektur und Sammlung geplant, unter anderem mit dem Künstler Georg Baselitz. Anfang März gibt es eine Party mit Bucovina-DJ Shantel.

Quelle: op-online.de

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