Bühnenzauber im fernöstlichen Gewand

Frankfurt - Bereits 1993 komponierte der Absolvent der Nationalakademie für chinesisches Theater das Stück „Die Nachtigall“ nach dem Märchenstoff von Hans-Christian Andersen. Dieses war nun als Gastspiel des Rheingau Musik Festivals im Frankfurter Zoopalais zu sehen. Von Stefan Michalzik

Karsten Gundermann ist ein Fachmann für musikalische Chinoiserien. Gerade hatte bei den Festspielen in Potsdam-Sanssouci eine Neufassung der komischen Oper „Le Cinesi“ von Christoph Willibald Gluck Premiere, in die der in Hamburg lebende Absolvent der Nationalakademie für chinesisches Theater einige Teile implantiert hat, die von Sängerinnen und Sängern der National Peking Opera Company gespielt werden.

1993 hat Gundermann die „volkstümlich-romantische“ Pekingoper „Die Nachtigall“ nach dem Märchenstoff von Hans-Christian Andersen komponiert, die nun als Gastspiel des Rheingau Musik Festivals im Frankfurter Zoopalais zu sehen gewesen ist. Eine Pekingoper, die auf einen deutschen Komponisten zurückgeht? Das klingt nach einem Fake – und das ist es natürlich auch.

Ein Fake - aber es funktioniert

Schadet aber nichts. Denn es funktioniert. Die Absicht, die dahinter steckt, ist es, den ästhetischen Reiz der Pekingoper einem westlichen Publikum ohne die verständnishemmende Schranke der meist historischen Stoffe nahezubringen. Das kann sich mithin ungehindert an den farbenprächtigen, am Stil der Ming-Dynastie (1368-1644) orientierten Kostümen und der durch hohe Frauenstimmen und perkussiven Stil gekennzeichneten Musik hingeben. Und das zurechtgestutzt auf eine handliche Spielfilmlänge.

Für westliche Ohren klingt alles "echt"

Zu 85 Prozent chinesisch und zu 15 Prozent deutsch beansprucht dieses Konstrukt zu sein. Es singt und spielt das Ensemble der Nationalakademie für chinesisches Theater, Gundermanns einstigem Lehrinstitut. Man weiß nicht, was ein Chinese dazu sagen würde, für westliche Ohren klingt alles „echt“. Das Figurenpersonal indes ist westlich, samt aggressiver Kuh, die es unter angestammten Tierfiguren der Pekingoper nicht gibt.

Es ist eine Märchenwelt, in die man entführt wird, ein Bühnenzauber, mit gehörigem Witz garniert und viel attraktiver Bühnenakrobatik mit x-fachen Saltos, Purzelbäumen und Rädern. Musik und Gesang – elektronisch verstärkt – bewegen sich auf einem hohen Niveau. Dergestalt mag ein Deutscher getrost Pekingopern komponieren.

Quelle: op-online.de

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