„Liebe, Tod und Teufel“

Vergnügliche Literatur-Reise

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Von wegen alte Leier: Walter Renneisen

Dreieichenhain - Was hat Heinz Erhardts „Ritter Fips“ mit einem pensionierten Manager gemeinsam? Ganz einfach: Beide geben sich ein Stelldichein in Walter Renneisens „Liebe, Tod und Teufel“, mit dem der beliebte Schauspieler in der Hayner Burg in Dreieichenhain gastierte. Von Maren Cornils

Von der Ritterzeit bis in die Gegenwart, vom ersten Flirt bis zur Grablegung, von der Ballade bis zum Limerick reicht der Bogen, den Renneisen mit Hilfe berühmter Dichter, bissiger Satiriker und reimender Zeitgenossen schlägt – ein Spaß für seine Zuschauer, die sich an Rezitierkunst wie auch am herrlichen Sonnenschein laben. Von Wilhelm Busch über Christian Morgenstern und Erhardt bis hin zu Hans Scheibner hat Renneisen Geschichten, Märchen, Fabeln und Reimkunst zusammengetragen, und so lädt er sein Publikum nach einem noch etwas holprigen Auftritt als Moritatensänger – aufgrund eines Unfalls blieb nicht genug Zeit zur Probe mit dem neu angeschafften Leierkasten – zu einer vergnüglichen Reise durch die Literatur verschiedener Jahrhunderte ein.

Wird der erste Teil der Matinee dank Conrad Ferdinand Meyer, Friedrich Schiller und dem unverbesserlichen Heinz Erhardt noch von ältlichen Burgfräulein („Ritter Kunz von Wendelstein“), kühnen Rittern („Die Füße im Feuer“) und grässlichen Lindwürmern dominiert, schlägt Renneisen kurz darauf andere Töne an. Ums Altern, um Krankheit und den Tod geht es nun, was angesichts der pointierten Dichtkunst von Morgenstern, Klabund, Eugen Roth und Ernst Jandl weniger ernst daherkommt als befürchtet. Dazwischen philosophiert der Rezitator darüber, wie paradox es ist, wenn man sich „in Handumdrehen den Fuß verstaucht“, witzelt über „eingefleischte Vegetarier“, outet sich als Busch-Fan und sorgt auch mit der Geschichte über „Adele, die im Wohnheim weint, weil sie nicht wie früher in Weinheim wohnt“ für Lacher.

Was auf keinen Fall fehlen darf, ist Scheibners Geschichte über den pensionierten Manager Uwe, der bei einem Supermarktbesuch feststellen muss, dass Führungsqualitäten nicht überall im Leben gefragt sind – ein Stück, das sich auch im Weihnachtsprogramm Renneisens findet, mit dem der Schauspieler immer wieder im Fritz-Rémond-Theater Frankfurt zu Gast ist und das auch diesmal seine Wirkung nicht verfehlt.

Dass Walter Renneisen mit seinem gewagten Mix aus Klamauk, Kabarett und Lyrik den Geschmack des Publikums trifft, zeigt sich immer dann, wenn Mitsingen oder klatschen gefragt ist. Ob „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten“ – erneut zum Leierkasten intoniert – „Mariechen saß weinend im Garten“ oder andere bekannte Volkslieder und Gassenhauer: Die Zuschauer heben beschwingt zum Mitsingen an und erleben dank Walter Renneisen einen mehr als vergnüglichen Sonntagvormittag.

Quelle: op-online.de

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