Wer ist wer im Chalet?

Fritz-Rémond-Theater stellt „Die Falle“.

Fritz-Rémond-Theater stellt „Die Falle“: Da meldet man seine Frau vermisst, erhält nach zehn Tagen die Nachricht, dass sie vor der Tür steht, wird herzlich begrüßt – und kennt die Dame nicht!

Das muss man gar nicht selbst erlebt haben, um die Absurdität dieser Situation ermessen zu können. Aber wie kommt man aus der Nummer wieder raus? Da die Unbekannte darauf beharrt, sie sei die frisch angetraute Gattin, will das Gegenteil erst bewiesen sein. Und weil im Hintergrund sehr viel Geld ist, geht es bald um mehr als um die Frage, wer lügt, sich irrt oder den Verstand verloren hat: Es geht um Leben und Tod. „Die Falle“, so der Titel des französischen Kriminalstücks von Robert Thomas, wird derzeit im Frankfurter Fritz-Rémond-Theater gestellt. Das Premierenpublikum ist gern hineingetappt.

Den ersten Beifall heimst Rüdiger Hentzschels Inszenierung für das Bühnenbild ein. Vor blauen Himmel hat Klaus-Ulrich Jacob ein Glas-Naturstein-Chalet gebaut, wie es im echten Chamonix kaum schicker stehen dürfte. Gleich drauf, der Vorhang ist eben oben, gilt der zweite Applaus Karl-Heinz von Hassel. Der spielt zwar nicht die Haupt-, aber die Schlüsselrolle. War er als Kommissar Brinkmann der Biedermann mit Fliege im Hessen-„Tatort“, so ist er nun als Commissaire der Bürokrat mit Krawatte, bedächtig und misstrauisch, leicht zu unterschätzen, aber mit der Routine zahlloser Dienstjahre und mancher List in der Hinterhand. Hassel mimt das mit dem gebremsten Temperament seiner TV-Auftritte, aber es passt zum Charakter.

Dagegen macht Christopher Krieg mit allen Mitteln die Verzweiflung Daniel Corbans glaubhaft, der sich als Opfer einer Verschwörung wähnt. Zu der „Bande“, der er sich ausgeliefert sieht, zählt zunächst die rätselhafte Rothaarige, die behauptet, seine Elisabeth zu sein, und sich sogar ausweisen kann: Verena Wengler ist undurchschaubar genug, um das Geheimnis ihrer Figur bis zum Schluss zu wahren. Weiter ist da der linkisch wirkende Abbé, der unangenehme Züge entwickelt: Ivan Vrgoc verleiht ihm etwas Lauernd-Bedrohliches.

Rettung verheißt der „Seehecht“, ein kunstmalender Landstreicher, der als Zufalls-Trauzeuge die Gattin identifizieren könnte: Andreas Pegler stattet ihn mit bärbeißigem Charme aus. Oder die strenge Krankenschwester, die schon mal im Haus war: Ines Arndt lässt rasch die Maske der Ehrbarkeit fallen. Doch da tropft Gift, ein Messer blitzt, eine Pistole knallt, ein Totschläger wird gezückt ...

In fast 50 Jahren haben die Dialoge durchaus Staub angesetzt; auch zieht sich der Text über fast zweieinhalb Stunden (einschließlich Pause) etwas in die Länge. Doch raffinierte Handlungsführung und verblüffende Auflösung lohnen den Besuch. Bis zum Ende bleibt völlig unklar, wer hier wirklich wer ist.

MARKUS TERHARN

Im Programm bis 8. März

Quelle: op-online.de

Kommentare