Cirque du Soleil feiert Michael Jackson

Cirque du Soleil: Der Mythos lebt

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Akrobatik in Vollendung zu Michael Jacksons unsterblichen Hits.

Frankfurt - Bedrohlich formieren sich die Soldaten in den Roboter-Rüstungen. Im harten Gleichschritt marschieren sie auf die Bühne. Doch während Michael Jacksons „They Don’t Care About Us“ ertönt, verändern sie sich. Von Veronika Szeherova

Auf ihrer LED-Brustplatte erscheint ein Fragezeichen. Dann ein Dollar-Symbol. Schließlich ein Peace-Zeichen. Und zuletzt ein rotes, pulsierendes Herz. Michael Jackson hat den Frieden herbeigesungen, die Einigkeit und die Liebe. Als Heilsbringer für eine bessere Welt zelebriert die Giga-Show „Michael Jackson – The Immortal World Tour“ des Cirque du Soleil den 2009 verstorbenen Ausnahmekünstler.

Jacksons Geist ist omnipräsent

Und als solchen wollen sie ihn auch sehen, die Fans bei den Darbietungen in der nahezu ausverkauften Frankfurter Festhalle. Jacksons Geist ist omnipräsent. Dafür sorgen nicht nur die riesigen Videoleinwände, auf denen er nahezu pausenlos in all seinen Erscheinungsbildern, Ton- und Videoaufnahmen das Geschehen auf der Bühne überstrahlt. Was dort zu sehen ist, wäre ganz in seinem Sinne gewesen. Ein Wunderland in 19 Szenen, die sein Schaffen im bombastischen Rahmen wiedergeben. Pathetisch und verklärend. Aber wirkungsvoll. Von der bunt-schrillen Jackson-5-Zeit über die bis heute unerreichten „Thriller“-Erfolge bis hin zu Jackos ewiger Suche nach seiner Kindheit, seiner Flucht in Phantasiewelten, seinen Botschaften für eine bessere Welt. Den 64 Artisten aus 15 Ländern der Welt bleiben dabei fast nur Nebenrollen.

Da schwingen Artisten in luftiger Höhe, sich an Seilen festhaltend, über die Köpfe der Zuschauer hinweg. Da windet sich eine Schlangenfrau aus einem Buch und bringt ihren Körper mühelos in jedwede Position. Da schraubt sich die amtierende Weltmeisterin im Poledance, die Australierin Felix Cane, mit Plateau High Heels verführerisch die Stange entlang. Turner schlagen unentwegt Flicflacs und Salti.

Visuelles Feuerwerk

Der kanadische Unterhaltungsgigant Cirque du Soleil setzt aber weniger als sonst auf die Akrobatik-Künste seiner Akteure. Sondern mehr noch auf den Tanz, die Reminiszenz an Jacksons Videoclips, mit typischen Bewegungen und Gesten. Dabei überschreitet er auch die Grenzen der Schwerkraft. Und oft auch das Aufnahmevermögen des Publikums. Videos, Tänzer, Artisten, Musiker, optische Effekte – wer sich einen Moment zu lang auf eine Sache konzentriert, verpasst leicht ein Detail des visuellen Feuerwerks.

Autor und Regisseur Jamie King kannte den „King of Pop“ persönlich, war bei der „Dangerous Tour“ Anfang der 90er Jahre einer seiner vier Haupttänzer. Auch von den zwölf Musikern, die live auf der Bühne spielen, begleiteten fünf Michael Jackson auf seinen Tourneen. Zur Live-Musik kommt Jackos Gesang vom Band. Das klappt in dem bis aufs kleinste Detail durchinszenierten Showspektakel ohne jede Ungenauigkeit. Es würde kaum verwundern, wenn es den Machern auch noch gelänge, den leibhaftigen Star herbeizuzaubern. Eine schemenhafte Projektion lässt ihn zum Ende hin fast christusgleich mit ausgebreiteten Armen über der Bühne schweben. „Michael“-Gekreische aus dem Publikum. Der Show-Titel soll Recht behalten: Der Mythos um Jackson lebt.

Quelle: op-online.de

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