Clown im Varieté des Scheiterns

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Jan Fabre zeichnet in „Der Kaiser der Verluste“, dem ersten Stück einer kürzlich vervollständigten Trilogie, mit der sein Theater Troubeleyn im Frankfurter Mousonturm gastiert, ein Porträt des Künstlers als Clown.

Frankfurt (zik) - Ein älterer, gesetzt wirkender Herr im Smoking, kahlköpfig, bärtig, von feister Gestalt. Im Lehnsessel thronend zündet er sich eine Zigarette an, die Behaglichkeit des Wohlstands verströmend. Goldene Embleme zieren die brokatroten Wände, die rundum aufgereihten Palmen vervollständigen ein Bild des Kolonialstils.

Jan Fabre zeichnet in „Der Kaiser der Verluste“, dem ersten Stück einer kürzlich vervollständigten Trilogie, mit der sein Theater Troubeleyn im Frankfurter Mousonturm gastiert, ein Porträt des Künstlers als Clown. Der Schauspieler Dirk Roothooft gibt in einer Mischung aus diabolischer Eleganz und kantiger Unrast den Revuestar in einem Varieté des Scheiterns. „Übung macht den Künstler“, lautet die Devise. Doch gleich was er anfasst, Seiltrick, Tellerjonglage, Tuchzauberei: Das Wissen um die Vergeblichkeit lässt er vorher schon spüren. Wenn er doch mal einen Erfolg hat, ist er von einer tragischen Bescheidenheit. Dieser Mann ist ein Bruder der Figuren Becketts. Jan Fabre spricht durch diesen Text hindurch von seinem eigenen Tun als Künstler, und zugleich vom menschlichen Sein schlechthin. Seitlich rechts am vorderen Bühnenrand, im halben Abseits der Wahrnehmung, liegt ein Doppelgänger als toter Mann.

Jan Fabre hat einst in einer wegweisenden Manier die Künste – Performance, Installation, Sprache, Tanz, Musik – als eine Einheit gedacht. Selten war er dem Theater im klassischen Sinne näher. Es ist großes Theater, auch im literarischen Sinne. Fabre, 51-jährig, befindet sich auf der Höhe seines Vermögens, mit all der radikalen Konsequenz, die sein Schaffen seit jeher auszeichnet.

Quelle: op-online.de

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