Comedy kritisch

„Wahnsinn“ – ein Ausruf, der von Richard Roglers Kabarettabenden vertraut ist. Er kommt auch vor in „Ewiges Leben“, dem aktuellen Programm des Kölners, zu erleben in der Frankfurter Käs.

Mit Kollegen wie Matthias Beltz und Heinrich Pachl arbeitete Rogler in den 80ern an einer Revolution. In „Freiheit aushalten!“, seinem ersten Erfolg, war alles anders als ein Ensemblekabarett nach Art des Düsseldorfer Kom(m)ödchens oder der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Ein Solist entwickelte ein ganzes Panorama von Figuren allein – einen gesellschaftlichen Mikrokosmos, eingebunden in eine Großform, in der die klassische Nummernfolge überwunden ist. Inzwischen ist Rogler, der bald 60 ist, selbst klassisch: 2000 holte ihn die Hochschule der Künste als ersten deutschen Kabarett-Professor für drei Jahre nach Berlin.

Der Abend beginnt konventionell, mit tagespolitischen Motiven wie der Hessenwahl. Bald steigt Rogler ins Stück ein. Einesteils zitiert er Dialoge mit einem gewissen Günther, den die Sozialdemokraten als Alibi-Kohlekumpel in den Bundestag bugsiert haben. Mit der Parteidisziplin hat er es nicht so. Er denkt und redet nach seiner Fasson und wird deshalb immer wieder vor die Parteioberen zitiert.

Die zweite Zentralfigur ist Manfred. Der hat sich nach einer Karriere als Steuerberater und daraus resultierender Sinnkrise eine Wassermühle im Rothaargebirge gekauft, ist Hobbykoch und Weinkenner. Ist man bei ihm eingeladen, gibt’s Nudeln, die in einem speziellen Verfahren aromatisiert sein sollen. Der Wein muss vor dem Genuss stundenlang durchatmen – der Ich-Erzähler aber hat Hunger und will gepflegt saufen.

In der Stimme des Ich-Erzählers artikuliert sich, was man gesunden Menschenverstand nennt. Marotten und Trends – statt eines Herds ein Kochfeld in der Mitte der Küche mit riesiger Abzugshaube – wecken bei ihm unverständiges Kopfschütteln. Der Comedy ist Rogler näher als dem Kabarett. Schadet nichts, ist es doch Comedy im Zeichen kritischen Räsonnements.

Verblüffend ist, dass, sobald es um Politiker geht, auch mal Leibesumfang und andere individuelle Eigenarten als Motiv herhalten müssen. Da ist das Kabarett Richard Roglers nicht weniger obsolet als das vieler anderer. Der große Kabaretterzähler aber hebt sich heute noch aus der Masse heraus.

(Stefan Michalzik)

Quelle: op-online.de

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