Wasser und Wüste

+
Bewegung im Bild: „Bluedance“ (2010) von Corinna Rosteck

Rödermark - Corinna Rostecks großformatige Fotografien hinterlassen tiefen Eindruck. Darin ist eine Künstlerin erkennbar, die nicht nur technische Brillanz vorweisen kann, sondern auch mit großer Ernsthaftigkeit an die Auswahl ihrer Motive herangeht. Von Claus Wolfschlag

24 Arbeiten aus verschiedenen Werkreihen sind in der Rödermarker Videor Art Foundation zu sehen.

Einige Wüstenbilder entstanden im Sultanat Oman. Neben fast abstrakten Auseinandersetzungen mit den Sandstrukturen, kombinierte Rosteck in der Reihe „W_oman“ Frauenabbildungen mit der kargen Landschaft. Zwar konnten keine einheimischen Frauen für das Projekt gewonnen werden. Mehrere ausländische Modelle aber nahmen die ihnen zugedachte Rolle als geheimnisvoll verhüllte, anonyme Wesen an, dem Betrachter stets scheu abgewandt, als wären ihnen die Felsen mehr Freund als der Mensch.

Im Gegensatz dazu stehen die diversen, in Berlin und der Uckermark entstandenen Wasserbilder. Die Ruhe der erstarrten Landschaft weicht hier der Bewegung und Lebhaftigkeit des flüssigen Elements. Wellenbewegungen und sprudelnde Blasen verbinden sich mit den nur ahnbaren Konturen einer Schwimmerin zu einer ästhetischen Legierung. Das fließende Element taucht zudem in vier Bewegungsstudien einer Balletttänzerin aus dem Ensemble Pina Bausch auf, die 2007 entstanden.

Kaum am Computer nachbearbeitet

Die filigranen Arbeiten wurden, abgesehen von kleineren Farbkorrekturen, kaum am Computer bearbeitet. Dafür arbeitete Rosteck mit dem Widerschein von Aluminiumbildträgern, Metallpapieren, transparenten Folien und Aludibondplatten, die intensiv in den Raum reflektieren. Dadurch verliert das Bild seine Eigenschaft als statisches Medium, was gerade der sich verändernden Eigenschaft des Wassers als Motiv entgegenkommt.

Rosteck wurde 1968 in Berlin geboren, wo sie auch heute noch lebt und arbeitet. Durch häufige Wechsel ihres Lebensschwerpunktes konnte sie allerdings von jungen Jahren an tief prägende Sinneseindrücke aus verschiedenen Regionen der Erde mitnehmen. Beispielsweise wuchs sie einige Jahre in Ibiza auf, absolvierte nach dem Studium in Berlin eine Ausbildung für Drucktechnik in London. Lehrtätigkeiten nahm sie später in New York und Dresden wahr. Oft fotografiert sie in Betrieben Szenen aus dem dortigen Arbeitsleben, beteiligt sich an betrieblichen Ausstellungen und „Kunst am Bau“. Zur Verdeutlichung ihres Weges zwischen den Techniken zitiert die ausgebildete Malerin und Fotografin Man Ray: „Ich male, was ich nicht fotografieren kann. Ich fotografiere, was ich nicht malen möchte.“

„Liquid Dance“ von Corinna Rosteck bis 8. Juni in der Videor Art Foundation, Carl-Zeiss-Straße 8, in Rödermark. Geöffnet: Montag bis Donnerstag 9-17.30 Uhr, Freitag bis 17 Uhr.

Quelle: op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare