Cover-Version eines Klassikers

+
Der Struwwelpeter von Fil und Atak.

Der Gedanke ist nicht neu, hat aber immer noch Charme: Der Struwwelpeter war kein verwahrloster Dreckspatz, sondern der Ur-Punk, der der Gesellschaft etwas hinreiben will: „Schaut mich“, sagt sein Blick voll Leid, „ich bin so, weil ihr SO seid - euer Plus erzeugt mein Minus, bin der Co - zu eurem Sinus.“ Von Christian Riethmüller

Auf musikalischer Ebene wäre der Struwwelpeter also Iggy Pop oder die „Ramones“ und alle Künstler, die Heinrich Hoffmanns legendäres Kinderbuch imitieren, parodieren oder variieren, junge Bands, die Cover-Versionen des ursprünglichen Hits spielen.

Wenn die Berliner Comic-Künstler Fil und Atak ihre Herangehensweise an die „Struwwelpeter“-Geschichten mit dem Verweis auf Gepflogenheiten in der Rockmusik erklären, ist dies nicht als Hinweis auf ihre eigene Sozialisation in der Punk- und Pop-Kultur zu verstehen, sondern als die Verbeugung vor etwas, das man liebt oder doch mindestens bewundert.

Punk-Version eines Welterfolgs.

Den Ausdruck von Fil und Ataks Bewunderung für Hoffmanns berühmtestes Werk zeigt nun die prächtige Ausstellung „Superpeter - Struwwelpeter Superheld“ im caricatura Museum für Komische Kunst in Frankfurt, für die die beiden das Original gecovert haben - härter, derber, auch böser vielleicht, doch dem Geist Hoffmanns treu geblieben sind.
In der Schau sind alle 78 Originalzeichnungen zu besichtigen, die Atak für das neue „Struwwelpeter“-Buch (erschienen bei Kein & Aber, Zürich) geschaffen hat, bei dem Fil die alten Reime variierte und ihnen einen neuen, frischen Ton gegeben hat, der vielleicht nicht immer den Gesetzen der Metrik gehorcht, aber kongenial die vielen Anspielungen auf Pulp- und Pop-Kultur in den Bildern aufgreift.

Die Ausstellung „Superpeter“ ist bis zum 20. September im caricatura Museum für Komische Kunst in Frankfurt zu sehen.

Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr, Mi 10-21 Uhr

Neben den „Struwwelpeter“-Zeichnungen zeigt die Ausstellung auch eine Auswahl anderer Arbeiten der beiden Künstler. Fil, der mit bürgerlichem Namen Philip Tägert heißt, ist mit Comics wie „Didi und Stulle“ vertreten; die Geschichten der beiden berlinernden Schweine füllen mittlerweile ein Dutzend Comic-Bände. Von Atak, mit richtigem Namen Georg Barber und seines Zeichens Professor für Illustration in Halle, sind Cartoons und Zeichnungen ausgestellt.

Als Initiator des „Struwwelpeter“-Projekts darf Barber gelten. Noch als Professor an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach war er an den Vorbereitungen des visuellen Konzepts zum diesjährigen „Heinrich Hoffmann Sommer“ beteiligt und empfahl seinen Studenten die Auseinandersetzung mit dem „Struwwelpeter“. Das daraus einmal eine Cover-Version des Klassikers entstehen würde, war nicht geplant, aber dann doch nachgerade zwingend.

Quelle: op-online.de

Kommentare