"Alaaf" und "Helau": Karnevals-Schlachtrufe mit Tradition

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"Alaaf" und "Helau" sind die bekanntesten Karnevalsrufe in den Hochburgen.

„Alaaf“ und „Helau“ sind die bekanntesten Karnevalsrufe in den Hochburgen. Ursprünglich stehen jedoch beide Ausdrücke in keinem Zusammenhang mit dem Karneval, sagt Alois Döring, Volkskundler beim Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte des Landschaftsverbands Rheinland in Bonn.

Bonn (dpa) - Das Wort „Alaaf“ sei unter anderem auf einem Tonkrug aus dem 16. Jahrhundert belegt. Die seinerzeit allgemein verbreitete Wendung bedeute „nichts geht über“ oder „über alles hinaus“. „Kölle Alaaf“ meine daher „nichts geht über Köln“. Im Karneval erklang „Alaaf“ bereits in den 1820er Jahren in Köln und Aachen.

„Helau“ dagegen sei 1603 aus Tirol überliefert. „Die Bedeutung des Wortes ist unklar“, berichtet Döring. Es werde beispielsweise auch von hellblau oder halbblau - im Gegensatz zum total betrunkenen Zustand „ganz blau“ - abgeleitet. Im Düsseldorfer Karneval war „Helau“ schon in den 1830er Jahren zu hören.

„Alaaf“ und „Helau“ sind aber nicht die einzigen Schlachtrufe der Jecken. In Mönchengladbach laute der Narrenruf seit 1936 „Halt Pohl“, sagt Döring. Die niederrheinischen Narren wollten sich mit einem eigenen Karnevalsruf vom Düsseldorfer „Helau“ abgrenzen. „Halt Pohl“ bedeute so viel wie „Halt die Stange“ und symbolisiert die Treue zum heimischen Karneval. „Breetlook“ wird in Krefeld-Hüls gerufen, es bedeutet Porree.

Immer mehr wollen beim Karneval nur zuschauen

Die Begeisterung für das Karnevalfeiern scheint ungebrochen, aber immer mehr wollen nur noch dabei zuschauen. Das hat das Institut für Demoskopie Allensbach bim Vergleich seiner Befragungen herausgefunden. Demnach sagten im Jahr 1965 noch 38 Prozent der Westdeutschen, dass sie selbst gern bei den Veranstaltungen zur fünften Jahreszeit mitmachen. 1987 erklärten das 31 Prozent. Das Meinungsforschungsinstitut teilte am Dienstag weiter mit, gegenwärtig seien nur noch 22 Prozent aktiv dabei. „Ich schaue lieber nur zu“ sagen 35 Prozent. Über 60 Prozent der Bundesbürger sind sich darüber einig, dass die tollen Tage vor Aschermittwoch auch heute noch zeitgemäß sind. Größer geworden ist laut Allensbach aber die Zahl von Fasnachts-, Faschings- oder Karnevals-Muffeln, also von Leuten, die dem närrischen Treiben nichts abgewinnen können. Die meisten davon sitzen allerdings im Norden der Republik oder in Berlin - dort betonen 55 beziehungsweise 60 Prozent, dass sie sich aus dem Ganzen nichts machen. In Regionen, wo Fasnacht oder Karneval gefeiert wird, gibt es deutlich weniger Menschen (rund 37 Prozent), die vom närrischen Brauchtum ganz unberührt und unbehelligt bleiben wollen. Nach Angaben des Instituts wurden 1.798 Frauen und Männer ab 16 Jahren im Januar 2009 befragt.


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