Münster

Narrentreiben mit Präsidentenwechsel

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Sitzungspräsident Richard Ries (rechts) gab nach 20 Jahren sein Amt an seinen jüngeren Kollegen Kersten Grimm ab.

Münster - Wer am Fastnachtsfreitag noch glaubte, Eintrittskarten für die Fastnachtssitzung der Freien Sportvereinigung (FSV) zu bekommen, musste enttäuscht werden: Bereits vor drei Wochen waren die heiß begehrten Karten ausverkauft. So strömten die kostümierten Fans der FSV-Fastnacht am frühen Abend in Scharen in die bunt geschmückte Münsterer Kulturhalle, um sich in den nächsten sechs Stunden vom abwechslungsreichen Programm mitreißen zu lassen.

Nach Einzug des Elferrates – unterstützt vom Musikverein Münster und von den FSV-Doaschde-Tänzerinnen – waltete Sitzungspräsident Richard Ries seines Amtes und begrüßte das närrische Volk. Ries, der seit 20 Jahren das Amt inne hat, tat dies sicherlich nicht ohne Wehmut: Dies sollte seine letzte Sitzung als Präsident werden.

Nach einem erfrischenden Gardetanz der FSV-Doaschde-Dancer führten die Mitglieder des Fastnachtsausschusses der Freien, die „Alten Asse“, eine witzige Playbackshow auf. Zu jeder humoristischen Anekdote, originell vorgetragen von Ilona Jaufmann, gab es das passende Lied. War etwa vom Sohn die Rede, dessen Leidenschaft als Biologie-Student die „Wämmer“ sind, wurde anschließend gemeinsam mit dem Publikum „Hörst du die Regenwürmer husten“ gesungen.

Auch die beiden „Tratschtanten“ Melanie Ellermann aus Münster und Dunja Müller-Suderleith aus Altheim wussten gekonnt, die Zuschauer mit einzubeziehen – insbesondere die prominenten. Altbürgermeister Karl Grimm, der sich bei der Kostümierung etwas zurück gehalten hatte, bekam von den zwei Damen erst einmal eine Pappnase und ein lustiges Hütchen verpasst. Scherzhafte Seitenhiebe verabreichten die Ulknudeln dann noch Bürgermeister Walter Blank, Sitzungspräsident Richard Ries, seinen Kindern Yvonne und Jochen sowie Fritz Wandinger vom Elferrat. Aber das nicht, ohne sich selbst auch gehörig auf die Schippe zu nehmen.

Neben Münsterer Originalen stiegen auch externe Jecken in die Bütt. Selbst Eppertshäuser, die schon als solche an sich in Münster in der Faschingszeit zu Lachnummern werden, trieben den Münsterer Narren die Tränen vor Lachen in die Augen: Willi Müller als Weltreisender wusste mit seinem Vortrag die Zuschauer zu begeistern. Dabei ließ er verblüffenderweise zwei Eppertshäuser etwas blauäugig das berüchtigte Haus Nr. 66 in Münster besuchen. Der „entliehene“ Andreas Kraus aus Offenbach als Ehemann mit gut gemeinten Kochversuchen weckte in manchem Besucher bekannte Gefühle. Den Faschingsvogel schoss dann in der zweiten Hälfte der Sitzung Lutz Murmann aus Eppertshausen als singender und tanzender Fastnachtsprinz ab. Ganz im Sinne des Vereins kam das Thema Fußball nicht zu kurz: Als eingespieltes Team überzeugten Präsidentensohn Jochen Ries und sein Eppertshäuser Kumpel Reiner Sperl als bierbäuchige Fußballfans.

Etwas fürs Auge boten zwischen den Büttenreden die Tanzeinlagen der Showtanzgruppe des Karnevalvereins Dieburg als wilde Dschungeltänzerinnen oder des FSV-Damenballetts, die gestylt wie Agnetha von ABBA, in bunt glänzenden Anzügen auftrat.

Etwas weniger graziös tanzten die „Boabambler“ vom FSV-Männerballett, sorgten aber mit ihrem Einsatz in Karoröckchen und knallorangefarbenen Perücken für Heiterkeit. Mit Stimmungsliedern zum Mitsingen rissen die Gesangsgruppe „Schoppeamseln“ aus Georgenhausen schon im ersten Teil des Abends die Fastnachter von den Stühlen. Nach der Pause heizten dann die „Hinnergassebuwe“ mit ihrer unverwechselbaren Blasmusik kräftig ein. Bei ihren fetzigen Versionen von „Heidi“ oder „Highway to Hell“ tobte die Narrhalla.

Beim Protokoll forderte Richard Ries als Nachtwächter die Fans der FSV-Fastnacht zum Mitdenken auf. Während für ihn die Minuten als Sitzungspräsident gezählt waren, musste das Publikum zu seinen Anfangsworten den passenden Reim finden. Da es dabei um das Welt- und Ortsgeschehen ging, wurde diese Aufgabe mit Bravour bewältigt.

Dann wurde die Stimmung ein wenig wehmütig: Nach 20 Jahren übergab Richard Ries die Narrenkappe und damit das Amt des Sitzungspräsidenten an den fast ebenso sitzungserfahrenen Kersten Grimm. Aber ohne Rang sollte Ries nicht bleiben: Grimm dankte seinem Vorgänger für seine engagierte Führung und ernannte ihn zum Ehrenpräsidenten. Gleichzeitig wurde auch Margit Marx aus ihrer Position als Fastnachtspartnerin von Ries verabschiedet. Auch ihr wurde für ihren beispiellosen Einsatz rund um die FSV-Sitzungen gedankt.

Mit einem bunten Umzug von elf Gruppen und Guggemusik von der „Hochstädter Lärmbelustigung“ feierten die rund 400 Besucher mit den 200 Mitwirkenden in ausgelassener Stimmung bis weit nach Mitternacht.

Ellen Jöckel

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