Rodgau

Sterne der Fastnacht funkelten

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In der Bütt ein Ass: Dirk Scherer als „Obama in Giesem“.

Die Kabarettgruppe der TGS präsentierte bei der 1. Galasitzung ihres Muttervereins eine entwaffnend schlichte Lösung für den Konflikt um die geplanten Beiträge für den Jügesheimer Lärmschutzwall.

Jügesheim - Bei ihrem „Stadtgespräch“ plädierten „En Haufe Leut“ dafür, das TGS-Blasorchester und die Guggemusik mögen im Ort künftig so viel Krach machen, dass der Wall die Äcker und die B 45 vorm Lärm schützt und die Äcker zahlen müssen. Einfach schön - und schön einfach!

Die Ulknummer war einer der vielen Höhepunkte der rundum gelungenen Sitzung. Diese über weite Strecken fernsehreife Mischung aus Comedy, Show, Büttenspaß, hausgemachter Bilderbuchfastnacht und akrobatischem Tanz ließ die Zuschauer rätseln, wofür sie den Akteuren zuerst Applaus spenden sollten: für ihre tollen Einfälle, ihre famosen darstellerischen, tänzerischen und gesanglichen Leistungen, ihre verblüffende Schlagfertigkeit, die treffsicheren Pointen? Wie auch immer: Beim Feuerwerk der Narretei sprang der Funke aufs Publikum rasch über - wozu auch der glänzend aufgelegte Präsident Rudi Ott und die Tollitäten Sabrina I. und Patrick I. mit ihrer humorvollen Begrüßungsrede einen guten Teil beitrugen.

Wie ein roter Faden zog sich das Kampagnenmotto „Es leuchtet die Vierfarbenpracht im Musical der Fasse nacht“ durch den unterhaltsamen Abend. So nahmen viele Darbietungen Anleihen bei weltbekannten Musicals. Zum Beispiel der „Starlight Express“ der Gruppe „Sonne, Mond und Sterne“, der in herrlichen Kostümen und auf Rollschuhen Anschluss an den Giesemer Fastnachtszug suchte. Oder die großartig gekleideten „Marionetten“ mit ihrem schaurig-schönen Auszug aus dem „Tanz der Vampire“. Das Leid der Zweitbesetzungen im Musicalgeschäft persiflierten hingegen die „Bach Brigge Ba Bambeler“.

Männerballett einmal ganz anders brachte die Gruppe „Taktlos“ auf die Bühne. Diesmal fegten die von Hannelore Gröpl, Judith Mark und Jutta Podroschko inspirierten Männer als Rocker übers Parkett. Zugabe! So laut und energisch kam an diesem Abend nur noch die Guggemusik daher, angeführt von Silke Seum. Tänzerisch glänzten hingegen die Prinzengarde und das Solopaar Jennifer Gries / Simon Koser.

Keine Fastnacht ohne Spitzen gegen die Politik. Bei der TGS sorgt dafür traditionell der Gugi (Florian Adams), diesmal verstärkt in einer separaten Nummer von Nobi Goergen als „Barde aus Berlin“. Der Gugi glossierte die Ausrutscher lokaler Politik und der Kirche, während der Barde auch bundes- und landespolitische Kapriolen als willkommene Anlässe zu beißenden Pointen nahm. Klar, dass Bürgermeister Alois Schwab und die Erste (Müll)-Stadträtin Hildegard Ripper ordentlich ihr Fett weg bekamen. Zum Feuerwehrhaus, reklamierte der Gugi, sei zwar „alles gesacht, nur die Arweit werd halt net gemacht!“ Auch in Sachen Lärmschutzwall hatte Adams natürlich eine Meinung: „Was hier moralisch gährt, is schon längst verjährt!“

Sterne der Fastnacht funkelten: TGS Rodgau

Für alle, die in der Finanzkrise stecken wegen ihrer jetzt wertlosen Lehman-Papiere, hatte Goergen das passende Klagelied auf den Lippen: „My money ist over the ocean.“ Dudenhöfer könnten dieses Lied auch „ohne Englisch“ bekommen, bot der scharfzüngige Barde spitzbübisch an.

Zugabe-Rufe, rhythmisches Klatschen, ein Publikum, das sich vor Lachen die Bäuche hielt: das schaffte die Gesangsformation „Disharmonie“. Matthias Quell, Dominik Koser, Frank Eser (der später in seinem Solo noch Autofahrer durch den Kakao zog), Kai Michel, Harald Werner, Uli Grimm und Markus Schlaich spielten eine von ihren Frauen zum Einkaufen und Bügeln geknechtete Männertruppe, die sich nach einem Stromausfall im Keller trifft. Dort fanden sich dann in den Schränken allerlei Erinnerungsstücke an vergangene (und bessere) Tage: der Helm aus Mopedfahrerzeiten, super Klamotten aus Abba-Tagen . . . Herrlich, wie sich die „Disharmonisten“ gegenseitig und auch selbst auf die Schippe nahmen. Klar, dass ihre Zugnummer in der Hymne gipfelte: „Giesemer Fastnacht, du bist wunderbar!“

Ganz weit vorn waren auch wieder die Büttenredner der TGS. Selina Beavers mimte eine Musicalreisende. Unschlagbar komisch präsentierten sich Marco Podroschko („Der Frauen-Nichtversteher“), „Engel“ Marcel Rupp, Dirk Scherer (als „Barack Obama“) und Lucas Pritchard mit Sebastian Mahr in ihrem Zwiegespräch. Da malten urkomischer Mutterwitz, Talent zum Vortrag und komödiantische Qualitäten ein stimmungsvolles Fastnachtsbild. Viel beklatscht zum Beispiel „Obamas“ Übersetzung von CDU: „Christlich Dudenhofen Underground.“

Gut fünf Stunden folgte Brüller auf Brüller. Dann war‘s vorbei mit der Narretei. Denn: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.

(BERNHARD PELKA)

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