Krawatten-Alarm: Weiberfastnacht in Deutschland

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Närrinen posieren zu Beginn der Weiberfastnacht mit Scheren. Puenktlich um 11.11 Uhr hat am Donnerstag in den naerrischen Hochburgen der Straßenkarneval begonnen.

Aufgepasst auf die Krawatten: Mit der Weiberfastnacht an diesem Donnerstag (19.2.2009) steuert das närrische Treiben in Deutschland seinem Höhepunkt entgegen. Vor allem in der Mitte und im Süden Deutschlands stürmen Tausende „Weiber“ in vielen Städten die Rathäuser und übernehmen für einen Tag das Kommando. Kein Schlips wird dabei vor ihnen sicher sein: Traditionell werden die Krawatten der Männer an diesem Tag gnadenlos gekürzt. Der Startschuss für die Weiberfastnacht fällt meist um 11.11 Uhr.

Mainz (dpa) - Aufgepasst auf die Krawatten: Mit der Weiberfastnacht an diesem Donnerstag (19.2.) steuert das närrische Treiben in Deutschland seinem Höhepunkt entgegen. Vor allem in der Mitte und im Süden Deutschlands stürmen Tausende „Weiber“ in vielen Städten die Rathäuser und übernehmen für einen Tag das Kommando. Kein Schlips wird dabei vor ihnen sicher sein: Traditionell werden die Krawatten der Männer an diesem Tag gnadenlos gekürzt. Der Startschuss für die Weiberfastnacht fällt meist um 11.11 Uhr.

In den Karnevals-Hochburgen in Nordrhein-Westfalen werden Zehntausende Zuschauer erwartet. In Köln übergibt Oberbürgermeister Fritz Schramma dem Dreigestirn - Prinz, Bauer und Jungfrau - für die kommenden Tage den Schlüssel zur Stadt. Auch in Düsseldorf setzen die „Weiber“ zum Sturm auf das Rathaus an, das von Oberbürgermeister Dirk Elbers gegen die närrische Übermacht verteidigt werden muss.

Weiberfastnacht

Mit der Weiberfastnacht beginnt im Rheinland traditionell der Straßenkarneval. Jährlich am Donnerstag vor Rosenmontag übernehmen die Frauen das Regiment und stürmen in vielen Städten die Rathäuser. Zum Zeichen der Machtübernahme schneiden sie den Männern die Krawatten ab und entschädigen sie mit einem „Bützje“ (Küsschen). Seinen Ursprung hat das Fest im Mittelalter. Damals wurden die bürgerlichen Damen von den Räten zu einem Festmahl eingeladen. Rund um Köln und Düsseldorf ist Weiberfastnacht ein inoffizieller Feiertag: Von 11.11 Uhr an bleibt die Arbeit liegen und die Jecken stürzen sich in das Treiben auf den Straßen.

In Bonn-Beuel wird das Rathaus von den „Waschweibern“ gestürmt. Bonn gilt als Wiege der rheinischen Weiberfastnacht: Bereits 1824 entstand bei den Wäscherinnen in Beuel der Brauch, einmal im Jahr die Männer „in die Mangel“ zu nehmen. Während sich die Frauen damals noch gegen unzumutbare körperliche Belastungen und das Patriarchat auflehnten, wird heute in spaßiger Form gefeiert. Auch etwas weiter südlich am Rhein wird geschunkelt: In Mainz wird am Donnerstag um 11.11 Uhr am Fastnachtsbrunnen die Altweiberfastnacht eröffnet.

Im Südwesten wird am Donnerstag der „Schmotzige Dunschdig“ (vom alemannischen Wort Schmotz, das Fett oder Schmalz bedeutet) gefeiert. Er gilt als höchster Feiertag der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Dabei übernehmen verkleidete Maskenträger vielerorts das Regiment. Im baden-württembergischen Konstanz steht der höchste deutsche Katholik vor einem närrischen Tribunal: Die Narrenzunft Jakobiner e.V. macht dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, den Prozess.

Die Weiberfastnacht ist der Auftakt für sechs närrische Tage - der Karneval oder die Fastnacht ist für viele Menschen die „fünfte Jahreszeit“. Bis zum Dienstag wird gefeiert, getanzt und getrunken, ehe am Aschermittwoch die Fastenzeit anbricht. Höhepunkt der Karnevals-Saison sind die Rosenmontagszüge am 23. Februar

Haben Sie's gewusst?

Der Ausdruck „Weiberfastnacht“ zeigt, dass zur Fastnacht die sonst gültigen Regeln auf den Kopf gestellt werden, so dass neben den Narren nun auch gerne einmal die Frauen das Zepter in die Hand nehmen dürfen - was früher ungewöhnlich war. Noch heute übernehmen sie symbolisch die Herrschaft, stürmen in den rheinischen Karnevalshochburgen das Rathaus und versammeln sich verkleidet oder auch maskiert in Grüppchen, um durch die Gegend zu ziehen und Männer zu belästigen. Wer an diesem Tag eine Krawatte trägt, hat Pech gehabt, denn diese wird von den regierenden Frauen gnadenlos abgeschnitten. Der Brauch des Weiberregiments wird aber auch auf vorchristliche Fruchtbarkeitsriten zurückgeführt: Mit der Frau, die der Natur näher steht als der Mann, werden alle Wachstumskräfte dargestellt. Junge, schöne und kräftige Frauen sollen zudem die Reproduktionskräfte der Natur zeigen. Im Südwesten Deutschlands spricht man am letzten Donnerstag vor der der vorösterlichen Fastenzeit vom „schmutzigen“ oder „schmotzigen Donnerstag“. Das Wort „schmutzig“ hat allerdings nichts mit Schmutz zu tun, sondern leitet sich ab vom schwäbisch-alemannischen Wort „Schmotz“, was soviel wie „Fett“ bedeutet. An anderen Orten wird vom „fetten“ oder „feisten Donnerstag“ gesprochen. Alle diese Ausdrücke verweisen auf den früheren Brauch, vor der Fastenzeit zu schlachten und fett- oder schmalzgebackene Fastnachtsküchlein, -kreppel oder -krapfen - heute weitgehend als Berliner bekannt - herzustellen, um das Fett aufzubrauchen, das während der Fastenzeit tabu war. Weitere Bezeichnungen sind „unsinniger“ oder „gumpiger Donnerstag“. Das Wort „gumpig“ stammt vom mittelhochdeutschen Wort „gumpen“ ab und bedeutet soviel wie „sich auf und ab bewegen“, „hüpfen“ oder übertragen „Possenreißen“. Diese Bezeichnungen verweisen auf den Aspekt, dass von diesem Tag an die Narren los sind. Weitere Bräuche gibt es im badisch-schwäbischen Raum: Dort ziehen in vielen Orten am Donnerstagmorgen schon frühzeitig weiß gekleidete Gestalten in Nachthemden umher, oder Musikkapellen und Fanfarenzüge wecken lautstark die schlafende Gemeinde.

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