Der Neue für Mond und Mars

ESA stellt Matthias Maurer als zweiten Deutschen im Astronautenteam vor

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Darmstadt - Das Gesicht der europäischen Raumfahrt könnte bald der Werkstoff-Ingenieur Matthias Maurer prägen. Die Europäische Raumfahrtagentur ESA präsentierte ihren neuen Astronauten gestern offiziell in Darmstadt. Von Axel Wölk

Maurer könnte jedoch frühestens nach dem Jahr 2019 an der Internationalen Raumstation (ISS) andocken – und in die Fußstapfen des bald zu seinem zweiten Ausflug ins All startenden Alexander Gerst treten. Auch die frisch gekürte Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries mit Darmstädter Wahlkreis freute sich. Dennoch merkte sie kritisch an, sie hätte über eine Astronautin noch mehr gejubelt.

Der gebürtige Saarländer Maurer nutzt eine zweite Chance. Aus mehr als 8500 Bewerbern setzte er sich in die Top Zehn der Kandidaten durch, für diese gab es aber nur sechs freie Flugplätze. Da hatte Maurer das Nachsehen: „Ich musste den Traum aufgeben.“ Er blieb der ESA gewogen und nahm als Assistent der ISS-Crew wichtige Aufgaben in der Weltraumorganisation wahr. Dank der Verlängerung des ISS-Programms wird in etwas mehr als drei Jahren mit Maurer womöglich erneut ein deutscher Astronaut im All schweben. Dann können wieder Internetfreunde von Facebook und Twitter aufhorchen: „Soziale Medien sind der richtige Weg.“

Der 46-Jährige will bei den Weltraumexperimenten die Grundlagenforschung vorantreiben und sich der Werkstoffkunde verschreiben. Kurioserweise träumte er keineswegs von Kindesbeinen auf an vom Weg ins All: „Mein Astronautentraum ist ein Erwachsenentraum.“ Als er 2008 seine Bewerbung einreichte, war er aber Feuer und Flamme. „Ich hatte auch Lust auf eine Prise Abenteuer.“

Maurer sieht sich vor körperlichen und mentalen Herausforderungen. Er muss ein knallhartes Überlebenstraining absolvieren, da die Landekapsel auch weit entfernt vom geplanten Ort aufsetzen könnte. Seine Mitstreiter und er müssen in harter kasachischer Winterkälte solange überleben, bis die Rettungsmannschaften sie orten. Außerdem paukt er gerade Sprachen. Nicht nur Russisch, sondern selbst Chinesisch stehen auf seinem Lehrplan.

Der Darmstädter ESA-Chef Jan Wörner hob die Völkerverständigung der Raumfahrt hervor. „Matthias Maurer ist ein europäischer Astronaut aus dem Saarland mit deutschem Pass.“ Im All funktioniere Europa ausgezeichnet. Selbst EU-Aussteiger Großbritannien sei an allen Programmen der ESA beteiligt. Weltweit ein ähnliches Bild: Während die Krimkrise eskalierte, saßen in der ISS ein Russe, ein US-Amerikaner und der deutsche Raumfahrer Gerst und arbeiteten mit Forscher- sowie Pioniergeist zusammen.

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Der dürfte auch beim nächsten großen Ziel der Menschheit gefordert sein: der Mission „Man on Mars“. Maurer absolvierte dafür im Sommer 2016 ein wegweisendes Experiment. 16 Tage verbrachte er rund 20 bis 30 Meter unter Wasser. Der Versuchsaufbau hatte große Ähnlichkeiten mit der Marsoberfläche. Maurer gelang es, wichtige Experimente für die ISS vorzutesten.

Was die künftigen Marspioniere erwartet, weiß Maurer nur zu genau. Gerade erst beendete er die Lektüre des mit Matt Damon verfilmten Bestsellers „Der Marsianer“. Ganz der nüchterne Ingenieur richtet er seinen Blick nicht gar so weit. Die Europäer streben seit längerem Richtung des Erdtrabanten. Das passt dem promovierten Wissenschaftler nur zu gut ins Konzept: „Für den Mond könnte ich mich wirklich begeistern.“

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