220 Abiturienten sagen „Schule, ade!“

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220 Schüler haben an der Alfred-Delp-Schule ihr Abitur gemacht.

Dieburg ‐ Was wiegt schwerer? Die Freude darüber, dass die Schulzeit endlich vorbei ist oder doch die Reminiszenz an die wohl unbeschwerteste Zeit des Lebens? Von Michael Just

Gestern früh waren bei der Verabschiedungsfeier der Abiturienten der Alfred-Delp-Schule (ADS) vielerlei Emotionen in den Gesichtern abzulesen.

Nicht nur ihren eigenen Noten, sondern auch am Wohl der Schule waren Carolyna Maria Lucas de Oliveira Ferreira (links) und Saskia Millmann besonders interessiert. Fördervereinsvorsitzende Sigrid Weber bedankt sich mit einem Sonderpreis. Foto: Just

„Bei mir ist die Freude und die Trauer gleich groß. Zum einen bin ich glücklich, alle Prüfungen geschafft zu haben, zum anderen geht ein Lebensabschnitt zu Ende“, sagt Sarah Untch. Die 18-Jährige bedauert besonders, dass es kaum möglich sein wird, zu den meisten Schulkollegen Kontakt zu halten. Wie sie weiß, entschwinden viele schon in den nächsten Tagen per Flugzeug in ihre neue Zukunft, die nicht selten im Ausland liegt. Auch für sie soll es in den nächsten Monaten auf einen anderen Kontinent gehen: Geplant ist ein Au-Pair-Aufenthalt in Australien, dann will sie in Deutschland Lehramt studieren.

50 Schüler mehr als im letzten Jahr

Insgesamt schafften in diesem Jahr 220 Schüler die Allgemeine Hochschulreife. Das sind rund 50 mehr als im letzten Jahr, was daran liegt, dass die ADS mehr Schüler aufnahm. Das bedeutete in den letzten Wochen 700 schriftliche und 480 mündliche Prüfung, letztere währten bis einen Tag vor der Verabschiedung.

Die große Abiturientenzahl ist aber nicht nur von Masse, sondern auch von Qualität geprägt: So können sage und schreibe 40 Schüler einen Einser-Schnitt vorweisen. Die besten sind Paul Myland (1,1), Jonathan Hopf (1,3) und Laura Golchert (1,4).

Die Sonderpreise gingen im Fach Informatik an Andreas Clement, in Physik an Jonathan Hopf und Philipp Jansen, in Biologie an Paul Myland, in Französisch an Nadine Glock, in Mathematik an Manuel Kreher und in Chemie an Laura Golchert.

Der Förderverein bedankte sich für ein besonderes soziales Engagement bei Carolyna Maria Lucas de Oliveira Ferreira und Saskia Millmann.

Keine Oberstufe für Münster

Ferreira war Schulsprecherin und arbeitete wie Millmann am Schulentwicklungsplan mit, die Schülerzahl in der Eingangsstufe der ADS nicht auf 225 zu begrenzen. Millmann setzte sich sehr erfolgreich dafür ein, den Schuldezernenten von seinem Plan abzubringen, in Münster eine Oberstufe einzurichten, was den Standort Dieburg geschwächt hätte.

Ein dickes Lob hatte Schulleiterin Renate Stiebing für Patrick Becker parat: Der behinderte Schüler kam jeden Tag mit seinem Vater und einem Zivi zur Schule und demonstrierte, wie man sein Schicksal meistern kann.

In die Reihe der Gratulanten reihten sich Landrat Klaus Peter Schellhaas und Dieburgs Bürgermeister Dr. Werner Thomas ein. „Ich habe vor 32 Jahren Abitur gemacht und ich erinnere mich noch gut an das Gefühl, dass einem jetzt die Welt offen steht“, konstatierte der Landrat. Er erinnerte aber auch an die zukünftige Verantwortung, dass in einer Demokratie die Starken stets die Schwachen tragen.

Gegen den Strom schwimmen

Für Vertrauen in die Zukunft warb Dieburgs Bürgermeister: Die sei schon immer ungewiss, weshalb man nie in Schwarzmalerei verfallen sollte. Und: „Nur wer lernt gegen den Strom zu schwimmen, wird zur Quelle gelangen“, fügte er hinzu.

So versprühten alle Redner reichlich Euphorie und Optimismus. Im Gedächtnis dürften auch die Worte aus der Tutorenrede von Daniela Baader bleiben, die empfahl, bei der Berufswahl seinen Neigungen stets Vorrang gegenüber Prognosen zu geben: „Ich bin damals trotzdem Lehrerin geworden, obwohl es immer wieder hieß, es gebe keine Stellen.“

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