Anmeldezahlen mehr als verdreifacht

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Die Ausbildung zum Altenpfleger machen an der Groß-Umstädter Altenpflegeschule (von links) Christine Naujacks, Kim Merz und Lutz Bördemer. 

Groß-Umstadt - „Wir hatten keinen Mangel an Interessenten zur Ausbildung der Altenpflege“, erklärt Dieter Stuckert. Er ist zusammen mit Ulla Beer Leiter der Altenpflegeschule in Groß-Umstadt. „Das Problem waren die praktischen Ausbildungsplätze, die nicht ausreichend zur Verfügung standen.“ Von Ulrike Bernauer

Die Altenpflegeausbildung gliedert sich wie eine Lehre in einen praktischen Teil und eine theoretische Ausbildung, die an der Umstädter Schule geleistet wird. 30 Kooperationspartner hat die Schule, Pflegeheime in der Umgebung (dazu gehören auch die Pflegeheime der Gersprenz gGmbH) bei denen die Altenpflegeschüler ihre praktische Ausbildung absolvieren können. Und die stellten eine Zeit lang weniger Auszubildende ein. Grund: Die Umschulung nach dem Sozialgesetzbuch war weggefallen und damit auch die Förderung durch das Arbeitsamt. „Daran sind bundesweit einige Schulen kaputt gegangen“, sagt Stuckert.

Inzwischen haben sich die Bewerberzahlen wieder stark erhöht, 26 Anmeldungen gibt es aktuell für das Jahr 2009 für die dreijährige Ausbildung zur Altenpflegerin an der Umstädter Schule. Ein Tiefpunkt war im Jahr 2008 erreicht, als nur acht Altenpflegerinnen und Altenpfleger examiniert wurden. In Zeiten des Personalmangels im pflegerischen Bereich bemühen sich die Pflegeheime aber inzwischen wieder verstärkt um die Ausbildung von qualifiziertem Personal. Der Eigenbedarf an Personal führte Anfang der 80er Jahre wohl auch zur Gründung der Altenpflegeschule, vermutet Stuckert. „Das war damals auch sozialpolitisch gewollt“, bekräftigt Kollegin Ulla Beer. Eine wechselvolle Geschichte hat die Altenpflegeschule hinter sich, die erst ans Kreispflegeheim angegliedert war, zwischendurch zur Gersprenz gGmbH und inzwischen zum Senio-Verband gehört.

Immer mal wieder wurde überlegt, ob der Erhalt der Altenpflegeschule überhaupt sinnvoll sei – schließlich gibt es in der näheren Umgebung mehrere solcher Schulen, etwa in Erbach und Darmstadt. Tatsächlich ist aber die Kernaufgabe des Senio-Verbandes „die Volks- und Berufsbildung auf dem Gebiet der Altenpflege, dazu wird in Groß-Umstadt eine Altenpflegeschule betrieben“, wie der Verband auf der Startseite des Internetauftritts schreibt. Die Geschäftsführerin des Senio-Verbands, Gabriele Veit, blickt in die Zukunft: Ein Strategiepapier stellte sie bei der jüngsten Senio-Verbandsversammlung vor. Dazu gehört die Entwicklung einer strategischen Konzeption, die zusammen mit der katholischen Fachhochschule in Freiburg erarbeitet wird. Angestrebt wird unter anderem eine Zertifizierung, die als Kooperationsvoraussetzung mit der Arbeitsagentur gilt. Die wiederum ist eine wichtige Voraussetzung zur Anwerbung von Schülern.

Am Image soll gearbeitet werden

Am Image soll gearbeitet werden und es gibt Überlegungen zur Kooperation mit der Krankenpflegeschule zu einem „Bildungszentrum Pflege“. Bei einer solchen Zusammenlegung seien durchaus Synergieeffekte zu erwartet, meint Stuckert: „Natürlich gibt es Basiskomponenten und identische Ausbildungsinhalte. Die Grundausbildung könnte man wohl schon zusammenfassen.“ Die Idee zur Zusammenlegung werde immer mal wieder aus der Schublade gezogen, erinnert er sich, der seit 2002 in der Schulleitung tätig, aber schon über 20 Jahre Lehrer an der Umstädter Schule ist. „Es könnte sich allerdings am Image der Altenpflege etwas ändern“, sagt er. „Das ist immer noch unter dem der Krankenpflege.“

Wo die Schule einmal unterkommen soll, wenn das neue Umstädter Pflegeheim auf dem ehemaligen Bauhofgelände einmal gebaut und in Betrieb gegangen ist, steht noch in den Sternen. Ein neuer Standort ist noch nicht gefunden. Den dreijährigen Ausbildungsgang (seit 2004 gibt es noch eine einjährige Ausbildung zur Altenhelferin) besuchen Christine Naujacks, Lutz Bördemer und Kim Merz. „Ich habe Bürokauffrau gelernt und nach einigen Jahren Arbeit keine Stelle mehr gefunden“, erzählt Naujacks. Die 42-Jährige hat daraufhin ein Jahr als Aushilfe in den Städtischen Kliniken in Darmstadt im Altenpflegebereich gearbeitet. „Das hat mir so gut gefallen, dass ich jetzt die Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin mache.“

Die 19-jährige Kim Merz hat bereits die Ausbildung zur Altenhelferin abgeschlossen. Sie hängt jetzt noch die dreijährige Ausbildung an, mit Hauptschulabschluss musste sie sich durch die einjährige Ausbildung erst dafür qualifizieren. „Ich arbeite im Pflegeheim in Harreshausen und erwarte, dass mir der Beruf noch lange Spaß macht“, sagt Merz.

Ein Sonderfall ist Lutz Bördemer, er gehört zu den wenigen Auszubildenden (rund 100 in ganz Hessen), die durch einen Bildungsgutschein von der Arbeitsagentur gefördert werden. „Meine Fallmanagerin hat sich sehr für mich eingesetzt“, sagt der gelernte Schlosser. Er ist als Zivildienstleistender zum ersten Mal in Kontakt mit dem Sozialbereich gekommen. „Ich habe viel Freude am Umgang mit Menschen“, erklärt Bördemer seine Motivation, „und ich hoffe, dass wir in Zukunft gefragte Leute sind.“

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