Mars-Mission

Applaus aus Darmstadt

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"Curiosity" landet per Fallschirm auf dem Mars.

Darmstadt - Gestern ist das Roboterfahrzeug „Curiosity“ auf dem Mars gelandet. Die technische Vorraussetzung kommt unter anderem aus Hessen.    

Zugegeben, gute Voraussetzungen sehen anders aus: Etliche Marsmissionen sind bislang gescheitert, das neueste Manöver ist nur am Computer erprobt worden und furchtbar komplex, der Landeplatz rund 250 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Trotzdem herrscht am Montagmorgen eine geradezu aufgeräumte Stimmung bei den Wissenschaftlern der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA), bevor das ferngesteuerte Nasa-Roboterfahrzeug Curiosity auf dem Mars aufsetzt - nach mehr als acht Monaten Flug. „Das ist die Ruhe vor dem Sturm“, sagt ein Experte im ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt, das etwa so groß ist wie ein Tennisplatz. Prall gefüllt mit Flachbildschirmen, auf denen Fotos des Mars, komplizierte Diagramme und natürlich standesgemäß der Countdown bis zur Landung zu sehen sind.

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Im Kontrollzentrum der US-Raumfahrtbehörde Nasa im kalifornischen Pasadena bricht nach dem Aufsetzen des Rovers minutenlanger Jubel der Erleichterung aus. „Das ganze Team ist außer sich“, so Nasa-Manager Peter Theisinger. „Es ist ein unglaubliches Gefühl.“ Auch Experten in Darmstadt fällt ein Stein vom Herzen. Kurzer Applaus brandet auf, Umarmungen hier und dort: „Natürlich ist man glücklich, wenn man bedenkt, was alles schiefgehen kann bei so einer Mission“, sagt der frühere Astronaut Thomas Reiter, der heute den ESA-Bereich „Bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb“ leitet. Sein Zentrum in Darmstadt ist so etwas wie das „back-up“, die Absicherung für das Ereignis.

„Mars Express“ als Datenlieferant

Weil nicht alles immer reibungslos verläuft, haben die US-Amerikaner die ESA um Hilfe gebeten: Daher zeichnet die seit 2003 im All kreisende ESA-Sonde „Mars Express“ in den entscheidenden Momenten wichtige Daten über die Eintritts- und Landephase auf und liefert sie an die Nasa-Kollegen. Auch bei der Definition des Landeplatzes hatte sie schon geholfen. Zum Einsatz kam die von der Astrium in Friedrichshafen am Bodensee gebaute hochauflösende Stereokamera HRSC an Bord der Sonde, wie Astrium-Sprecher Mathias Pikelj sagte.

Bei der optischen Hilfe ging es vor allem darum, die Landezone von Curiosity genauer zu bestimmen. Ursprünglich sei der Bereich eine 20 mal 25 Kilometer große Ellipse gewesen, hieß es bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Durch die Kombination von Höhendaten aus der 3D-Kamera, Bilddaten der Nasa-Sonde „Mars Reconnaissance Orbiter“ und den Farbinformationen aus den Bilddaten von früheren Missionen konnte die Zielellipse auf 20 mal 7 Kilometer verkleinert werden. „Damit konnte man das Zentrum der Ellipse näher an den Zentralberg im 154 Kilometer großen Gale-Krater verlegen“, teilte die Esa mit.

„Wir sind für die Nasa so etwas wie ein Ass im Ärmel“, sagt Manfred Warhaut, seit 2006 Leiter der ESA-Abteilung für den Missionsbetrieb. Denn Curiosity selbst kann aus der Mars-Atmosphäre zunächst nur wenige Informationen an die Erde schicken. Wobei diese unscharfen Schwarz-Weiß-Fotos und piepsenden Töne wenige Momente nach der Landung bereits ausreichen, um auch die Darmstädter Forscher glückselig zu machen.

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Fest steht: Die erfolgreiche Mission zum Roten Planeten hat auch einen hohen Stellenwert für die europäische Raumfahrt: „Auf die Daten, die Curiosity sammeln wird, können auch wir zugreifen und unsere eigenen Projekte entsprechend weiter entwickeln“, sagt Mark McCaughrean, der ESA-Leiter für Forschungs- und Wissenschaftsunterstützung. „Bei uns stehen in den kommenden Jahren selbst zwei Mars-Missionen an, darunter eine Landung 2018.“

Im Rahmen des ExoMars-Projektes der Weltraumorganisation soll auch nach Wasser gegraben werden, deshalb sei es wichtig, dass Curiosity Erfolg habe. „Für uns ist die derzeitige Mission eine weitere Säule, auf der wir aufbauen können“, sagt McCaughrean nach der erfolgreichen Landung. Außerdem wecke das Mars-Projekt das Interesse der Öffentlichkeit - und der Geldgeber - für die Raumfahrt. Curiosity wird auch der ESA einen Schub geben“, ist auch Ulrich Christensen überzeugt. Schließlich sei die Esa auch bei ihren eigenen Mars-Missionen auf die Zusammenarbeit mit den US-Amerikanern angewiesen, sagt der Experte vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (Katlenburg-Lindau).

Hessische Technik für Luft- und Raumfahrt

Bereits im Rover Curiosity steckt europäische Technik. So hat bei der Entwicklung des Marsrovers ein Programm des Konzerns Siemens geholfen. Gemeinsam mit der Nasa hatte das Unternehmen eine Art elektronisches Reißbrett gebaut, mit dem der Marsrover digital entworfen wurde und seine Funktionen schon vor dem Bau simuliert werden konnten.

Die Firma Sensitec aus dem hessischen Lahnau baute magnetische Sensoren zur Überwachung der Räder, der Roboterarme und der Antenne. Ein 1,5 Kilogramm schweres Messgerät von Curiosity, dass unter anderem von Forschern der Universität Kiel und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt wurde, überprüfte bereits die Strahlung beim Flug durch das All. Der rund 1,3 Millionen Euro teure sogenannte Radiation Assessment Detector (Rad) soll in den kommenden Jahren unterschiedliche Strahlen auf dem Mars messen.

In dem Moment, in dem das erlösende „touchdown completed“ der Nasa auch nach Südhessen übertragen wird, hat sich eine wichtige Arbeit der europäischen Mars-Sonde für den US-Rover erstmal erledigt. Ein paar Stunden lang werden noch Informationen gesammelt, dann verschwindet der Mars-Express wieder aus dem Umfeld, um sein eigentliches Programm für die Esa abzuspulen. Denn auch ohne die Nasa ist der Orbiter in den kommenden Jahren ausgelastet: „Unsere Auftragsbücher sind voll, wir können uns über Arbeit nicht beklagen“, sagt Warhaut.

dpa

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