Arbeitswelt und Begegnungsstätte

Alnatura verlegt seinen Firmensitz nach Darmstadt

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Eine computeranimierte Ansicht des neuen Alnatura-Verwaltungsgebäudes auf dem Campus in Darmstadt.

Darmstadt/Offenbach - Der größter deutsche Bio-Händler Alnatura ist weiter auf Wachtumskurs und verlegt seinen Firmensitz nach Darmstadt. Bereits ab 14. Januar sollen 420 Beschäftigte auf dem neuen Campus arbeiten. Von Achim Lederle

Für Alnatura-Sprecherin Stefanie Neumann ist es schlicht das „größte Projekt in der Geschichte des Unternehmens“: In den nächsten Tagen wird der Alnatura-Sitz von Bickenbach auf den neuen Campus nach Darmstadt verlegt. 420 Mitarbeiter ziehen um: „Wir sitzen auf gepackten Koffern“, so Neumann gegenüber unserer Zeitung. Offizielle Eröffnung des neuen Standorts mit Ministerpräsident Volker Bouffier ist dann Ende Januar.

In zweieinhalb Jahren Bauzeit entstand in Darmstadt ein laut Neumann „kreativer Lern- und Begegnungsort für die Öffentlichkeit sowie eine neue Arbeitswelt für die Mitarbeiter“. Das ehemalige Kasernengelände der Kelley-Barracks sei herfür umfassend renaturiert worden. Bereits im August 2018 habe ein Waldorf-Kindergarten mit 88 Betreuungsplätzen für Kinder von ein bis sechs Jahren seine Türen geöffnet.

Das Verwaltungsgebäude umfasse 13.500 Quadratmetern und sei das europaweit größte Büro mit einer Außenfassade aus Lehm. Konzipiert worden sei der Bau vom Stuttgarter Architekturbüro haascookzemmrich Studio2050. Auch für das kulinarische Wohl von Mitarbeitern und Besuchern sei gesorgt: Im Erdgeschoss eröffne ebenfalls im Januar das vegetarische Restaurant „tibits“. Die Kette sei bereits in der Schweiz sehr erfolgreich.

„Das Familienunternehmen wird in Darmstadt seine erste Dependance in Deutschland betreiben“, so Neumann. Es habe auf 400 Quadratmetern 200 Sitzplätze sowie eine Außenterrasse mit Sicht auf einen Naturteich. Insgesamt sei das neue Gelände 55.000 Quadratmeter groß und biete mehrere Gartenflächen. Neumann: „Neben Pachtgärten, die von Bürgern angemietet werden können, wird es Streuobstwiesen geben. Es sind Führungen geplant, und das gesamte Gelände um das Büro ist öffentlich zugänglich.“

Nach dem Rückzug aus der Drogeriekette dm und neuen Kooperationen unter anderem mit Rossmann und Edeka sieht Alnatura-Gründer und Geschäftsführer Götz Rehn das Unternehmen im stabilen Aufwärtstrend: „Die Neuausrichtung von Alnatura ist gelungen. Seit dem Richtungswechsel im Geschäftsjahr 2014/2015 hat sich Alnatura deutlich weiterentwickelt“.

Acht neue Supermärkte sind im vergangenen Geschäftsjahr hinzugekommen – darunter bereits im September 2017 der Markt am Hafen in Offenbach. Das Sortiment wurde auf 1400 Produkte ausgebaut. In Leipzig und Potsdam ist Alnatura nun erstmals vertreten. Weitere Eröffnungen sind 2019 unter anderem im Frankfurter Westend, in Freiburg und in Stuttgart geplant. Insgesamt arbeiten über 3000 Menschen für Alnatura; 134 mehr als im Vorjahr.

Wie Neumann unterstreicht, will Alnatura 2019 Transport- und Produktverpackungen aus Kunststoff weiter reduzieren: Als erster Einzelhändler schaffe das Unternehmen deutschlandweit Plastiktüten für Obst und Gemüse ab. „Bereits heute legen bis zu 60 Prozent der Alnatura-Kunden Obst und Gemüse lose in den Einkaufswagen oder nutzen Mehrwegbeutel. Die komplette Abschaffung der sogenannten Plastik-Knotenbeutel ist für uns der konsequente nächste Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit in den Alnatura-Märkten“, erläutert Geschäftsführer Rüdiger Kasch.

Bio-Baumwolle: Shopping mit gutem Gewissen

Alternative Wege gehe das Unternehmen auch bei den Alnatura-Café-Bars: Zuerst in Berlin würden die Kaffee-Einwegbecher durch Mehrweg- und Pfandbecher ersetzt. Bereits seit April 2018 spare Alnatura wöchentlich 56 Tonnen Papier durch die Abschaffung des Angebotsflugblatts, das es jetzt nur noch online gibt.

Zwei neue Handelspartner in Frankreich konnte Alnatura in den letzten Monaten hinzugewinnen: Seit August sind laut Neumann 400 Alnatura-Produkte in den Märkten von Supermarchés Match in Elsass, Lothringen und im Norden Frankreichs gelistet. In den Großmärkten von Cora gibt es Alnatura seit November. Damit sei das Alnatura-Sortiment in mittlerweile 14 Ländern erhältlich. Götz Rehn: „Wir freuen uns, dass Alnatura bei vielen europäischen Kunden Anklang findet. Dies zeigt uns, dass der Leitgedanke, Sinnvolles für Mensch und Erde zu gestalten, europaweit wirkt.“

Bio-Handelskette Alnatura legt deutlich zu:

Mit einem Umsatzplus von 6,8 Prozent hat Alnatura das Geschäftsjahr 2017/2018 am 30. September 2018 abgeschlossen. Das Bio-Handelsunternehmen erwirtschaftete einen Umsatz von 822 Millionen Euro netto und wächst damit wieder stärker als der Bio-Markt insgesamt, der 2017 eine Steigerung von 5,9 Prozent verzeichnete. Im zurückliegenden Geschäftsjahr 2017/2018 hat der Bio-Händler die Filialzahl auf 131 Märkte in zwölf Bundesländern erhöht.  

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