Beim Radhelm geht's um Kopf oder Coolness

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Mitarbeiter von Polizei und Verkehrswacht informierten Goetheschüler, wie sie sich mit dem Fahrrad sicherer bewegen können.

Dieburg ‐  Ralf Drexelius ist die Ruhe selbst, während sein fachmännischer Blick über die abgestellten Fahrräder an der Goetheschule wandert. Eigentlich müsste er enttäuscht sein oder zumindest etwas sauer.  Von Dirk Beutel

Ist er aber nicht. In 17 Jahren als Verkehrserzieher bei der Jugendverkehrsschule hat er eine Menge gesehen und erlebt. Sofort erkennt der Polizeioberkommissar, welches der Räder verkehrssicher ausgestattet ist und welches nicht die gesetzlichen Bestimmungen erfüllt.

„Eigentlich müsste jeder der Schüler Bescheid wissen, wie sein Fahrrad für den Straßenverkehr auszusehen hat“, sagt Drexelius. Doch die Realität sieht anders aus: Etwa die Hälfte aller Räder sind nicht verkehrssicher. Hier fehlt die Klingel, da das Licht oder die Bremsen funktionieren nicht richtig.

Nach Schülern, die einen Fahrradhelm tragen, sucht der Verkehrserzieher vergeblich. „Zu unpraktisch“ aber vor allem „nicht cool“, lauten die Argumente gegen den Kopfschutz. Das ist der normale Wahnsinn“, sagt Drexelius ernüchtert.

Aufklärungsarbeit zum verkehrsgerechten Verhalten

Bei der landesweiten Schwerpunktaktion „Zu Fuß und auf Reifen - Verkehr sicher begreifen“ spricht die Polizei zusammen mit Mitarbeitern der Verkehrswacht gezielt Fußgänger und Radfahrer an und leistet Aufklärungsarbeit zu den Themen verkehrsgerechtes Verhalten, verkehrssicheres Fahrrad, und es wird über die Zusammenhänge von Fahrradunfällen informiert. In Dieburg stellte sich die Polizei kürzlich vor der Goetheschule und an der Ecke Frankfurter Straße/Lagerstraße auf.

Der Pausengong ertönt. Die Schüler strömen aus den Klassen und steuern auf ihre Fahrräder zu. Der Überraschungseffekt, dass plötzlich Polizisten auf dem Hof stehen, funktioniert. Einige hören sich interessiert die Informationen an, die die Männer in den blauen Uniformen geben. So wie Annika Wenzel und Christiane Golchert. Die beiden 16-Jährigen wurden von Markus Schaaf von der Bereitschaftspolizei aus Wiesbaden angesprochen, der die beiden über die Gefahren im Straßenverkehr aufklärt und ihnen noch einen Infoflyer in die Hände drückt. Inzwischen hat sich um Ralf Drexelius eine kleine Traube gebildet. „Ich fahr´ doch nicht mit meinem guten Rad in die Schule. Ich bin doch nicht blöd“, sagt ein Schüler und trifft damit einen sensiblen Punkt. Zu groß sei das Risiko, dass das Premium-Fahrrad geklaut wird. „Dazu kommt der Irrglaube, dass auf dem Schulweg nichts passieren kann“, ergänzt Drexelius.

Nur ein Schüler mit Fahrradhelm

Es gibt aber auch Schüler, die Besseres zu tun haben, als sich nach dem Unterricht noch belehren zu lassen. Sie fahren einfach davon oder werfen den Flyer der Verkehrswacht achtlos auf den Boden. Nur einen Schüler konnte Drexelius finden, der einen Fahrradhelm dabei hatte: „Diesem Schüler war sein Kopf wichtiger als die Coolness. Ein echter Exot.“

Und ein Beweis dafür, dass die Polizei noch einige Zeit Präventionsarbeit leisten muss. Immerhin: Die Statistik im Raum Dieburg weist entgegen dem Landestrend einen Rückgang bei Verkehrsunfällen auf. Wurden 2008 noch 130 Unfälle bei Fußgängern und Radfahrern registriert, waren es 2010 nur noch 93 Unfälle.

Für Gefahren des Straßenverkehrs sensibilisieren

Trotzdem wird die Polizei nicht müde, Jugendliche für die Gefahren des Straßenverkehrs zu sensibilisieren. Es sind vor allem die Kleinigkeiten, auf die nicht geachtet werde. „Vorhin haben wir einen Schüler vom Fahrrad geholt, weil er mit dem Handy telefoniert hat“, sagt Klaus Pauls. Der Dienststellenleiter der Polizeistation Dieburg betont noch einmal, dass die Polizei nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daher käme. Aber: Hätte ein Fahrrad eklatante Sicherheitsmängel aufgewiesen, wäre es sichergestellt und die Eltern des Kindes benachrichtigt worden.

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