Satelliten-Trio zur Erforschung des Erdmagnetfeldes gestartet / Steuerung in Darmstadt

Blick in die Zukunft

Darmstadt - Am Europäischen Satellitenkontrollzentrum (ESOC) knallten am Freitag die Sektkorken. Von Axel Woelk

Vom russischen Raketenstartplatz Plessezk – rund 800 Kilometer nordöstlich Moskaus – hoben aus der vernebelten, eisigen Einöde drei Satelliten der Darmstädter lehrbuchmäßig ab ins All. Das Satellitentrio ist Kernstück der neuen Swarm-Mission der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA), zu der das Darmstädter Zentrum gehört. Dank Swarm wird erstmals in der Geschichte das bedrohte Magnetfeld des blauen Planten detailliert unter die Lupe genommen. Die Forscher erstellen eine dreidimensionale Karte des magnetischen Felds.

Dieser Analyse schenkt die Pariser ESA allergrößte Aufmerksamkeit. Zum Missionsbeginn kam im Rhein-Main-Gebiet alles zusammen, was in der europäischen Raumfahrt Rang und Namen hat. „Sieben Jahre Vorbereitung und ein Jahr Planung bis zum Lift-off zahlen sich jetzt aus“, jubelte ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain. „Das ESOC hat mittlerweile 64 Satelliten ins All geschickt“, betonte ESOC-Chef Thomas Reiter.

Nach Ansicht von Wissenschaftlern liefert die neueste Mission des ESOC elementare Ergebnisse, die auch von großem praktischem Nutzen sind. Seit mehreren Jahren beobachten Forscher mit Sorge, dass das Magnetfeld der Erde schwindet. Um bis zu 15 Prozent dürfte dessen Kraft in den kommenden 200 Jahren nachlassen. Für das Leben auf der Erde hat das gravierende Folgen. Das Magnetfeld schützt den Planeten vor schädlichen Sonnenstürmen, deren Strahlen unter anderem im Verdacht stehen, den Klimawandel mit auszulösen. Geeignete Gegenmaßnahmen sind momentan nicht absehbar. Aber immerhin lassen sich mit den Daten der Europäer bald fundierte Vorhersagen machen.

Dank brauchbarer Prognosen könnten sich Staat und Privatwirtschaft technisch vorbereiten. Bei einem stark geschwächten Magnetfeld gäbe es auf der Erde nämlich Stand heute keine Satellitennavigation und einsetzbaren Smartphones mehr sowie kaum noch Elektrizität. Sollte diese schützende Kraft eines Tages ganz verschwinden, verlöre die Erde möglicherweise gar ihre Atmosphäre. Den Menschen ginge schlicht und ergreifend die Luft aus.

Bei dem Forschungsprojekt spielt Darmstadt eine Hauptrolle. Techniker steuerten den Satellitenstart vom Kontrollraum des ESOC aus. In den nächsten Jahren werden die drei Alpha, Bravo und Charlie getauften Satelliten mit ihren langgestreckten, markanten Spitzen vom Rhein-Main-Gebiet heraus überwacht und bewegt.

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