Tesch wird kandidieren

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Brigitte Tesch, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, will Kreisbeigeordnete werden.

Darmstadt-Dieburg/Groß-Zimmern - „Noch habe ich meine Unterlagen nicht abgegeben, aber spätestens am Freitag werde ich mich auf die Stelle der Ersten Kreisbeigeordneten bewerben“, berichtet die Groß-Zimmernerin Brigitte Tesch. Von Gudrun Fritsch

Die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler (FW) im Kreistag ist sich darüber im Klaren, dass sie damit die bisher bestehende Kooperation mit der Koalition aus SPD und Grünen auf eine harte Probe stellt.

SPD und Grüne verfügen über eine Stimme Mehrheit. Um sich abzusichern, waren die FW als „Beiboot“ angedockt worden. Bisher hat die Zusammenarbeit gut funktioniert. Die Sozialdemokraten wollen die derzeitige Leiterin der Kreisagentur für Beschäftigung, Rosemarie Lück, als ihre Kandidatin nominieren (wir haben berichtet).

Zur Person

Brigitte Tesch (43) ist verheiratet und Mutter von zwei Söhnen (16 und 12 Jahre). Nach der Ausbildung zur Kunststoff-Formgeberin bei der VDO in Babenhausen studierte sie Kunststofftechnik an der Fachhochschule Darmstadt mit dem Abschluss als Diplom-Ingenieurin. Verwaltungserfahrung sammelte sie während ihrer fünfjährigen Tätigkeit bei einer gesetzlichen Krankenkasse. In der Hochschulpolitik war sie im Fachbereichsrat und in Ausschüssen aktiv. Seit 2000 ist sie Mitglied der Freien Wähler, deren Vorsitzender zeitweise ihr Vater, Horst Pasewald, war. Seit 2001 ist sie Mitglied in Kreisausschüssen, von 2004 bis 2008 war sie Vorsitzende des FW-Kreisverbandes Darmstadt-Dieburg und seit 2004 gehört sie dem Landesvorstand der FWG Hessen an. Seit drei Jahren ist Tesch Kreistagsabgeordnete für die FW, war zunächst deren stellvertretende Vorsitzende und ist seit 2008 Vorsitzende der Kreistagsfraktion und als Mitglied des Kreistagspräsidiums in vielen Ausschüssen tätig. Zudem ist sie aktives Mitglied des Kreis-Elternbeirats und als Mitbegründerin des Tanz- und Gymnastik Clubs Groß-Zimmern für ihr Engagement bekannt. Auch in der evangelischen Kirche setzte sie sich ein.

Gewählt wird am 14. Dezember. Morgen läuft die Bewerbungsfrist ab. Am Donnerstag, 12. November, soll der Vorbereitungsausschuss entscheiden, wer zur Wahl antritt. „Der Kooperationsvertrag war von Anfang an umstritten“, berichtet die Vorsitzende der dreiköpfigen FW-Fraktion im Kreis. In den eigenen Reihen seien Befürchtungen laut geworden, die FW könnten zum Spielball der SPD werden. „Wir müssen Gesicht zeigen, sonst werden wir irgendwann nicht mehr wahrgenommen“, betont die 43-Jährige, die bereits zur Landtagswahl kandidierte. Über ihr Interesse habe auch die SPD früh Bescheid gewusst. „Aber ich musste ja zunächst die Ausschreibung abwarten“, so Tesch. Die dort genannten Qualifikationen bringe sie mit und die Familie habe ihr volle Unterstützung zugesagt. Nur der FW-Kreisbeigeordnete Uwe Bülter, der bis vor kurzem im Urlaub und deshalb nicht erreichbar war, habe sich gegen die Kandidatur ausgesprochen. „Ich war in den letzten Jahren zu Hause. Aber eigentlich juckt es mir unter den Fingern. Das zeigt sich auch in den vielen Ehrenämtern, die ich übernommen habe“, beschreibt Tesch ihre Begeisterung. Auch wenn sie sich selber als „Außenseiterin“ nur geringe Chancen ausrechnet. „Sollte ich eine ernsthafte Gefährdung für Rosemarie Lück sein, wird meine Kandidatur wahrscheinlich schon im rot-grün-dominierten Vorbereitungsausschuss scheitern.“ Da das Auswahlverfahren der SPD auch bei CDU und FDP auf Kritik gestoßen ist, rechnet Tesch mit deren Unterstützung. Manfred Pentz, Vorsitzender der CDU Darmstadt-Dieburg, bestätigte unserer Zeitung, er halte einen Boykott des Wahlvorbereitungsausschusses ebenso für möglich wie die Unterstützung seiner Fraktion für Tesch. „Seit meine Kandidatur bekannt ist, muss ich mir vieles anhören“, berichtet die Groß-Zimmernerin. Einige hätten versucht, sie zu einem Rückzieher zu überreden, aber „ich war lange genug als Mutter und Hausfrau tätig. Dieses Amt ist für mich eine Herausforderung.“

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