Hört nicht jeder

Mysteriöses Brummen martert Anwohner in Darmstadt – Die Quelle ist völlig unbekannt

Eine Person sitzt an einem Schreibtisch. Sie hält eine Brille in der einen Hand und greift sich mit der anderen an die Stirn.
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In Darmstadt belastet ein Brummen immer mehr Menschen. Die Suche nach seinem Ursprung gestaltet sich schwierig. (Symbolbild)

In Darmstadt raubt ein diffuses Brummen der Anwohner letzte Nerven. Manche hören es nicht nur, sondern spüren es auch. Woher es kommt, weiß niemand.

Darmstadt – „Bass, Bass, wir brauchen Bass“, texte der deutsche Hip-Hop-Künstler Mirko Bogojević im Sommer 2000 für seine Solo-Single „Türlich türlich (sicher Dicker)“ und landete damit einen Charts-Hit. Zwei Jahrzehnte später werden besonders Menschen im Martinsviertel in Darmstadt wenig mit dieser Ode an tieffrequenten Schall anfangen können. Der raubt hier nämlich seit rund einem Jahr immer mehr Anwohnern die Nerven, wie der Hessische Rundfunk (HR) recherchiert hat.

Anwohner in Darmstadt leiden unter Brummen – dessen Quelle unbekannt ist

Es geht um ein tiefes, anhaltendes Brummen. Dem Hessischen Rundfunk berichtet eine Betroffene, sie nehme diese Geräusche bereits seit März 2020 wahr. Sie fühlt sich davon massiv beeinträchtigt: „Ich kann im Alltag kaum noch funktionieren“, sagt sie, und nennt die Dauerbeschallung „regelrechten Psychoterror“. Nur wenige Menschen können tiefe Schallfrequenzen überhaupt hören, der HR nennt 100 Hertz als Wahrnehmungsgrenze. Mit ihrem Problem ist die Betroffene aber nicht allein: Beim Darmstädter Umweltamt sind bereits 30 Beschwerden über das sonderbare Brummen eingegangen. Die will reagieren – steht aber vor einem Rätsel. Bisher gibt es keine Anhaltspunkte zum Ursprung des Brummens.

Und die Suche nach ihr könnte ziemlich lange dauern. Tieffrequente Schallwellen, wie die in Darmstadt, erreichen die Stadt nämlich auch, wenn die Quelle meherere Kilometer außerhalb liegt, erklärt Silke Sutter, die dem Phänomen für den HR nachgegangen ist. Entsprechend dämpft die Leiterin des Darmstädter Umweltamtes, Karin Lübbe, auch die Erwartungen: „Tieffrequenter Schall ist ein Problem, das wir nicht von heute auf morgen aus der Welt schaffen, das wissen wir aus anderen Städten“, sagt sie gegenüber dem HR.

Ominöses Brummen in Darmstadt: Meldungen aus dem ganzen Stadtgebiet

Gemeinsam mit dem hessischen Umweltministerium will man in Darmstadt jetzt Messungen durchführen, um der Ursache auf die Schliche zu kommen. Die bisher erhaltenen Meldungen sind auf das gesamte Stadtgebiet verteilt, „von Eberstadt bis Wixhausen“, sagt Lübbe gegenüber dem HR.

Aus Frankfurt ist ein ähnliches Phänomen bekannt: Im März vergangenen Jahres berichtete die „Frankfurter Neue Presse“ über ein Brummen im Stadtteil Bergen-Enkheim*. Dessen Ursache sei bis heute nicht lokalisiert worden, teilt die Stadt Frankfurt dem HR auf Anfrage mit. Immerhin in Oberdorfelden in Schöneck kam man weiter: Dort konnte das Brummen auf ein nahe gelegenes Umspannwerk zurückgeführt werden. (mp) *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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