In Badewanne ermordet

Demente Mutter von psychisch krankem Sohn ermordet - das sind die Hintergründe

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Der 54-Jährige gesteht die Tat vor Gericht. (Symbolbild)

Ein psychisch kranker Mann tötete im September vergangenen Jahres seine demente Mutter in einer Badewanne. Der Mann steht nun wegen Totschlags vor Gericht. Zum Prozessauftakt am heutigen Montag (29. Juli) gestand er seine Tat.

Update, 31. Juli, 14:35 Uhr: Nach dem gewaltsamen Tod seiner dementen Mutter im vergangenen September wurde der 54-jährige Sohn am heutigen Mittwoch (31. Juli) vom Landgericht Darmstadt zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.  Er wurde wegen Totschlags für schuldig erklärt. 

Die Kammer entschied, dass der 54-Jährige nun erstmal unbefristet in einer geschlossenen, forensisch-psychiatrischen Klinik untergebracht werden soll. Dafür sprach sich sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung aus. 

Erstmeldung, 29. Juli, 18:10 Uhr: Darmstadt - Der 54-jährige Täter hat der Anklage zufolge vergangenen September seine Mutter in der gemeinsamen Wohnung in Darmstadt in die Badewanne gesetzt und warf anschließend einen Fön ins Wasser. Bevor er dies tat, soll er die Schutzschaltung der Sicherung überbrückt haben. Seine 76-jährige Mutter starb jedoch erst, als ihr Sohn ein stromführendes Kupferrohr auf ihre Haut presste.

Versuchter Selbstmord nach Tat

Der Angeklagte hat dem psychiatrischen Gutachter erklärt, dass er versucht habe, sich nach der Tat selbst mit Strom in der Wanne umzubringen. Dies sei ihm aber nicht gelungen. Der Gutachter berichtet vor dem Landgericht, dass der Angeklagte laut eigener Aussage "eine Stunde lang in der Wanne saß, mit dem Kupferkabel in der Hand". Nachdem sein Selbstmordversuch scheiterte, habe der 54-Jährige nach eigenen Angaben dem Vermieter von der Tat erzählt, der daraufhin die Polizei verständigte. 

Seit mehr als 25 Jahren Wohnung fast nie verlassen

Der Gutachter berichtete vor Gericht, dass der Mann Angst hatte, dass ihm seine Mutter weggenommen und er in ein Heim eingewiesen wird. Weiterhin wurde bekannt, dass der Angeklagte stets bei seiner Mutter gewohnt habe und etwa seit seinem 25. Lebensjahr die Wohnung fast nie verlassen habe. Mitarbeiter der Sozialbehörden hatten vor der Tat mehrfach versucht die Mutter und ihren Sohn aufzusuchen. 

Verwahrloste Wohnung und überforderter Sohn

Der Vermieter sagte aus, dass er 2002 gemeinsam mit dem Angeklagten für diesen Sozialhilfe beantragen wollte. Dabei stellte er fest, dass der Mann nur einen Kinderausweis besaß. Erst 2018 stellte der Vermieter schließlich fest, dass seine Mieterin dement und der Sohn mit der Gesamtsituation überfordert war. Zu dieser Erkenntnis kam der Vermieter nachdem die Mutter im März 2018 im Treppenhaus gestürzt war und ein Wasserschaden im August 2018 in der Wohnung bestand. Der Vermieter habe damals außerdem festgestellt, dass die gesamte Wohnung verwahrlost war. 

In der geschlossenen Psychiatrie untergebracht

Nach der Tat war der Angeklagte in Untersuchungshaft in der JVA Weiterstadt. Vor einem Vierteljahr wurde der 54-jährige in eine geschlossene, forensisch-psychiatrische Klinik eingewiesen. 

at 

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