Multitalent, Dandy, Popstar

Mathildenhöhe feiert 150. Geburtstag von Großherzog Ernst Ludwig

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Franz von Stuck: Porträt des Großherzogs Ernst Ludwig, um 1907 J

Darmstadt - Eine Ausstellung zum 150. Geburtstag: Großherzog Ernst Ludwig, der 1899 die Darmstädter Mathildenhöhe gründete, war ein kreatives Multitalent. Das beweist die Schau „Das Neue frisch zu wagen!“ im Museum Künstlerkolonie. Von Eugen El

„Dieser Fürst war eine ganz besondere Figur“, sagt Philipp Gutbrod, Direktor des Instituts Mathildenhöhe. Ein Dandy sei er gewesen und ein Popstar, fügt Gutbrod hinzu. Die Rede ist von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein (1868-1937). Um die Jahrhundertwende begründete er die Darmstädter Künstlerkolonie. Innerhalb eines Jahrzehnts entstand auf der Mathildenhöhe ein einzigartiges künstlerisch-architektonisches Ensemble, das 2020 in die UNESCO-Welterbe-Liste aufgenommen werden könnte. Zum 150. Geburtstag widmet das Museum Künstlerkolonie Ernst Ludwig nun eine umfangreiche, jedoch nicht biografisch angelegte Schau. Vielmehr steht seine Kreativität im Vordergrund.

Dass der 1918 abgesetzte Großherzog ein Multitalent war, wird im ersten Teil der Ausstellung deutlich. Klavierklänge, die Ernst Ludwig komponiert hat, hallen durch die Räume. Den Flügel des Großherzogs hatte 1901 der Architekt Joseph Maria Olbrich entworfen. Im ersten Saal begegnet der Besucher einem Stillleben mit Kunstkammerobjekten, das Ernst Ludwig im Alter von 18 Jahren malte. Auch Pflanzenskizzen sind zu sehen.

Eine weitere Leidenschaft des Großherzogs galt der Bühne. „Er hat das Theater geliebt“, weiß Philipp Gutbrod. Unter einem Pseudonym schrieb Ernst Ludwig das Theaterstück „Ostern“, das die Erfahrung des Ersten Weltkriegs zum Thema hat. Es werden zudem seine Bühnenbildentwürfe präsentiert. Im Kurt-Wolff-Verlag erschien 1917 ein Gedichtband des Großherzogs.

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Laut Gutbrod war Ernst Ludwigs kreatives Schaffen kein Hobby, sondern für die Öffentlichkeit bestimmt. Eine Ausnahme bilden die „Katuffs“. Die nach 1918 entstandenen Zeichnungen zeigen groteske Fantasiewesen. Sie werden in Darmstadt erstmals öffentlich präsentiert.

Wie sich Ernst Ludwig auf diversen Kanälen in Szene setzte, demonstriert der zweite Teil der Schau: Postkarten mit seinem Konterfei und diverse Bildnisse des Großherzogs sind zu sehen. 1907 ließ er sich vom Münchner Malerfürst Franz von Stuck porträtieren. Eine an die Rahmengestaltung des Porträts angelehnte „Selfie-Box“ lädt Besucher ein, sich im Stil des Großherzogs fotografisch zu inszenieren.

Ernst Ludwigs Wirken steht im Fokus des letzten, vor allem dokumentarischen Teils. Der Großherzog ermöglichte auch die Entstehung einer Villenkolonie in Buchschlag, heute ein Stadtteil von Dreieich. Er stand zudem der Firma Opel nahe, wie Dokumente belegen. Ernst Ludwig, das zeigt die Schau, war ein Tausendsassa. Weitere Entdeckungen könnten folgen.

 „Das Neue frisch zu wagen! Ernst Ludwig zum 150. Geburtstag“, 21. Oktober bis 24. Februar, Museum Künstlerkolonie Darmstadt, geöffnet Di. bis So. 11 bis 18 Uhr

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