Club wehrt sich 

"Gewisse Art von Selektion...": Disco wegen Rassismus-Vorwürfen in der Kritik 

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Lukas vor dem Nachtcafé. 

Die Disco "Nachtcafé" in Darmstadt sieht sich Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt: Hat sie einen 19-Jährigen wegen seiner Hautfarbe abgewiesen? 

Darmstadt - Samstagnacht Ende August: Lukas und sein Kumpel Louis wollen gemeinsam mit zwei Freundinnen ins Nachtcafé, eine Diskothek im Untergeschoss des Carrees in Darmstadt. Lukas ist in der Warteschlange der einzige mit dunkler Hautfarbe. Der 19-Jährige wird auch als einziger vom Türsteher herausgewunken. „Können Sie bitte zur Seite gehen, sagte er zu mir“, berichtet Lukas der Frankfurter Rundschau. Nachdem der junge Mann aus Egelsbach seinen Ausweis zeigen musste und dieser minutenlang gelesen worden sei, durfte Lukas den Club nicht betreten, während seine Freunde hinein durften. 

Darmstadt: Rassismus-Vorwurf gegen Disco 

„Es war ein Schock für mich“, sagt der angehende Medizinstudent. Auch einem anderen dunkelhäutigen Mann, der nach ihnen gekommen sei, sei der Eintritt als einzigem seiner Gruppe verwehrt worden, berichtet Lukas. Laut Louis, der später sein Eintrittsgeld zurückforderte, sagte der Türsteher zu Lukas: „Mit so Leuten wie euch haben wir öfter Probleme.“ 

Dann sei ein zweiter Türsteher gekommen und habe sie angeschrien, sie sollten gehen. Auch ein hinzugezogener Vorgesetzter habe die Abweisung ausdrücklich genehmigt. Der Club weist „sämtliche Aussagen, die uns als rassistisch darstellen, entschieden zurück“. Man sehe sich „ungerechtfertigt“ in eine Ecke getrieben. „Zu jedem Club gehört auch eine gewisse Art von Selektion“, schreibt der Club auf FR-Anfrage. Zu den Einlasskriterien gehörten freundliches Auftreten, angemessenes Benehmen und ebensolche Kleidung. An besagtem Abend sei Weinfest in Darmstadt und der ganze Abend sehr „unruhig“ gewesen. Man habe „im Laden diverse, kleinere Auffälligkeiten gehabt, was wiederum eine erhöhte Aufmerksamkeit beim Einlasspersonal bedeutete“. 

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Bei einem „Vorfall“ habe man eine ganze Gruppe abgewiesen, das habe der Redner jedoch nur auf sich bezogen. „Es ist absolut unwahr, dass der Redner der einzige war, dem der Eintritt verwehrt wurde“, schreibt der Club. Außerdem zählten dunkelhäutige Personen zu den Gästen, wie man auf Fotos auf der Homepage sehen könnte. 

Nachtcafé in Darmstadt: Viel Kritik in Google-Rezensionen 

Für Lukas’ Vater, selbst Deutscher und mit einer Nigerianerin verheiratet, ist Lukas „Opfer einer rassistischen Diskriminierung“ geworden. Sein Sohn sei weder betrunken noch schlecht angezogen gewesen, sagt er der FR. Weil er im Internet auf ähnliche Berichte über den Club gestoßen sei, habe er sich jetzt an Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) gewandt mit der Bitte, der Sache nachzugehen. Die Stadt ließ die FR wissen: „Der Vorfall ist absolut inakzeptabel. Darmstadt ist eine weltoffene Großstadt, in der rassistische Tendenzen oder Handlungen keinen Platz haben. 

Wenn die Vorwürfe zutreffen, werden der Oberbürgermeister und die Stadt diese Vorgehensweise nicht tolerieren und zeitnah das Gespräch mit den Betreibern suchen.“ Glaubt man den Google-Rezensionen zum Nachtcafé, ist Lukas‘ Erlebnis kein Einzelfall. Allein im vergangenen Jahr wurden 18 Kommentare verfasst, in denen sich Gäste über rassistische Türsteher beschweren. Viele der Kommentare wurden vor Lukas’ Erlebnis geschrieben. Zum Beispiel schreibt ein Teilnehmer im Juli: „Absolut grauenhafter Türsteher. Im Jahre 2019 noch so ein rassistisches Verhalten zu beobachten, ist absolut erschreckend.“ Angeblich sind auch Kommentare gelöscht worden, heißt es. 

Disco in Darmstadt wehrt sich gegen Rassismus-Vorwürfe 

Der Vorsitzende des Landesausländerbeirats, Enis Gülegen, beobachtet Rassismus auf allen Ebenen der Gesellschaft, wie er der FR sagt. Er rät Leuten wie Lukas, zu einer offiziellen Beratungsstelle zu gehen und den Fall zur Anzeige zu bringen. Es gehe darum, Öffentlichkeit herzustellen: „So lange man damit im Verborgenen bleibt, wird es immer wieder passieren.“ Auch wenn juristisch vielleicht keine Konsequenzen folgen würden, seien die entsprechenden Personen beim nächsten Mal vorsichtiger.  Von Claudia Kabel

Beratung

Die Antidiskriminierungsstelle des hessischen Sozialministeriums berät in Fällen von Diskriminierungen und Rassismus telefonisch mittwochs 13 bis 15 Uhr und freitags 10 bis 12 Uhr unter 0611/ 321 933 91 oder per E-Mail an ads@hsm.hessen.de.

Beim Netzwerk gegen Diskriminierung Hessen können Fälle online und anonym gemeldet werden. Kontakt unter www.netzwerk-gegen-diskriminierung-hessen.de

Der Asta der TU-Darmstadt bietet Beratung an unter asta.tu-darmstadt.de /asta/de/antidiskriminierung cka

Gegen die Satirepartei DIE PARTEI werden derzeit Sexismusvorwürfe laut, berichtet fr.de*. Ein weibliches Mitglied hat die Vorwürfe erhoben. 

Außerdem haben Anwohner in Darmstadt-Eberstadt Datenträger mit fragwürdigen Inhalten in ihren Briefkästen gefunden. Im Internet brodelt die Gerüchteküche, jetzt ermittelt der Staatsschutz.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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